Ich muss dem Jungen in mir immer wieder sagen: Es ist vorbei! Du musst keine Angst mehr haben, es ist vorbei!

Den Fehler, den ich mache ist, dass ich mich nur auf das Äußerliche fixiere, obwohl es darauf im Endeffekt gar nicht ankommt. Denn was würde passieren, wenn ich keine Muskeln mehr hätte oder nicht mehr ins Solarium gehen würde? - Ich würde trotzdem noch gut aussehen. Und weil ich nen toller Typ bin, tollen Charakter habe, lustig bin…das wären die Gründe, weshalb Frauen etwas von mir wollen und nicht weil ich muskulös bin. - 95 % der Männer sind nicht muskulös. Es ist also wirklich nicht notwendig. Sicher finden Frauen es besser, aber alle Frauen haben auch keine Supertitten und nene geilen Arsch.
- Ich muss also keine Angst davor haben, was passiert, wenn ich mal keine Muskelmasse mehr haben sollte. In den Kreisen, in denen ich mich bewege, hat sowieso niemand Muskeln.

Dieses Heischen nach Aufmerksamkeit, dieses wahrgenommen werden wollen, ist insofern normal, als man sich über irgendetwas definieren will. Es ist aber auch eine kindliche Sache, denn man muss seinen eigenen Wert für sich selbst erkennen und wissen, dass es auf solche Sachen nicht ankommt.

Die Frauen werden mich auch noch hübsch finden, wenn ich keine Muskeln mehr habe. Im Winter laufe ich auch mit weiten Pullovern rum und man sieht meine Muskelmasse nicht.Und auch da stehen Frauen auch auf mich. Darum geht es also wirklich nicht.

Außerdem muss ich mir klar machen, dass ich zwischen Angst und Fantasie unterscheiden muss. Wenn ich jetzt mal ein Jahr lang nicht mehr trainiere, werde ich nicht wieder aussehen, wie mit 16.

Ich werde die Proleme des ängstlichen kleinen Jungen über diesen Weg auch nicht lösen können. Ich werde nie an einen Punkt kommen, an dem ich mit meiner Muskelmasse zufrieden wäre oder die Angst des kleinen Jungen gestillt hätte

Ich sollte darauf achten, einfach nur ich selbst zu sein.

Ich bin den ganzen Tag über immer nur damit beschäftigt, wer ich sein möchte. Ich überlege mir, was ich anziehe, mit dem Hintergedanken, ob ich damit auch so wahrgenommen werde, wie ich gerne wahrgenommen werden möchte.

So habe ich den ganzen Tag den Stress, dass ich versuche von den einen so wahrgenommen zu werden und von den anderen so. Dabei ist das Schwachsinn und einfach nur permanenter Stress.

Ich sollte einfach nur ich selbst sein. Und nicht jemand, der ich gar nicht sein kann oder gerne wäre.

Wenn ich mir eine Freundin wünsche, dann der Vorstellung nach, dass diese Freundin meine potentielle Traumfrau ist und ich sie vielleicht heirate. Und seien wir mal ehrlich, woher soll man sowas schon vor Beginn einer Beziehung wissen. Sowas müsste sich sowieso erst entwickeln und wachsen. Aufgrund dieses selektiven Verhaltens habe ich viele mögliche Beziehungen gar nicht erst angefangen.

Wichtig ist, dass ich auch mal eine Beziehung anfange, selbst wenn ich weiß, dass es keine langfristige Beziehung werden kann. Ich sollte eine Beziehung nur anfangen, um Spaß zu haben!

Ich unterliege der fehlerhaften Vorstellung, dass mein Leben mit dem Examen vorbei wäre und ich danach noch direkt anfangen müsste zu arbeiten.

Dem liegt der Irrglaube zugrunde, dass mein Leben nur auf die Rolle des perfekten Ehemanns zugeschnitten ist. Demnach müsste ich jetzt meine zukünftige Frau kennenlernen und das Examen machen, um direkt im Anschluss zu arbeiten, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Natürlich hätte ich so keinen Spaß mehr in meinem Leben.

Aber ich muss mir klarmachen, dass mein Leben nach dem 1. Staatsexamen noch lange nicht vorbei ist. Nach dem 1. Staatsexamen habe ich unter Umständen noch mehrere Monate zeit bis zum Beginn des Referendariats, in denen ich zB ins Ausland gehen kann. Und auch nach dem 2. Staatsexamen kann ich im Ausland noch gehen, um zb noch ein Magister in ausländischem recht zu machen. Und auch danach bin ich noch jung und kann das Leben genießen.

Live life the fun way!

Ich bin ein Narzisst. So viel steht fest. Ein Narzisst ist nach allgemeiner Vorstellung jemand, der in sich selbst verliebt ist. Doch trifft das auf mich zu?

Ich bin nicht in mich selbst verliebt. Zumindest zeige ich das in meinem Verhalten nach außen hin nicht. Es gibt zwei Arten von Narzissten. Die nach außen gerichteten Narzissten belästigen ihre Umwelt, indem sie nach außen ständig ihre Selbstverliebtheit ausstrahlen und Äußerungen von sich geben, dass sie sich selbst für perfekt halten. Dann gibt es die nach innen gerichteten Narzissten, wie mich, die nach innen mit ihrem Selbstbild kämpfen und nach außen nicht ihre innere Überzeugung widerspiegeln.

Ich bin insofern Narzisst, als ich überzeugt bin, dass ich perfekt sein kann. Ich stellte mich in Gedanken so über andere, indem ich mich im Kopf mit ihnen vergleiche und immer zu dem Ergebnis komme, ich könnte besser sein.

Aber diese inner Überzeugung hat auch eine Kehrseite (die auch Narzissmus-typisch ist). Es ist die Angst vor dem Absturz. Denn ich, der nach außen hin als perfekt auftreten möchte, habe Angst davor, eben in den Augen anderer nicht perfekt zu sein, was für mich nämlich bedeuten würde, nichts wert zu sein. Ich definiere mich über die, in meinen Augen bestehende bzw. mögliche Perfektion. Diese im Endeffekt dann nicht zu erreichen, bedeutet für mich nichts wert zu sein. Denn in meinen Augen bin ich somit minderwertig.

Daraus entsteht dann natürlich die Situation, dass ich riesige Angst bekomme, etwas nicht perfekt zu machen und somit in meinen Augen und auch (aus meiner Sicht) in den Augen anderer zu versagen. Damit erklärt sich meine Angst meinen Seminarvortrag zu halten oder mich im Kurs/unterricht mal zu melden. Denn wenn ich etwas sage, dürfte es auf keinen Fall falsch sein. Denn dann würde ich meine nach außen hin aufgebaute Perfektion verlieren.

Ich denke, dass daher auch meine Vorstellung kommt, nur dann die Frau fürs Leben gefunden zu haben, wenn es eine absolute Traumfrau ist. Denn meiner Vorstellung nach müsste ich der absolute Traummann sein, deshalb wäre mir auch nur eine absolute Traumfrau angemessen. Solange ich die aber nicht als Freundin habe, ist das für mich irgendwie auch der Beweis, dass ich eben auch nicht der absolut perfekte Traummann bin. Mit dem Zweifel, die angestrebte Perfektion nicht erreichen zu können, was mich wertlos machen würde, verzweifel ich auch gleichzeitig an dem Wunsch eines Tages eine absolute Traumfrau als Freundin zu haben. Denn im Endeffekt werde ich es niemals schaffen, die Vorgaben zu erreichen, die ich an mich selbst stelle. Aber das einzusehen fällt mir schwer und so passiert es doch oft, dass ich glaube, dass doch schaffen zu können. In diesen Momenten geht es mir immer richtig gut.

Das ist zum Beispiel auch der Grund, warum ich mich oft so gerne schick anziehe. Denn wenn ich dann auf die Straße gehe, präsentiere ich nach außen das Bild des perfekten Typens, der megaerfolgreich, sexy, klug und überhaupt der tollste Typ der Welt ist. Und dementsprechend trete ich dann auch nach außen auf. Also nicht selbstherrlich oder arrogant. Das vielleicht nur im Inneren. Sondern ich strahle ein absolut selbstüberzeugtes sicheres Auftreten und Selbstbewußtsein aus, was natürlich im krassen Gegensatz zu meinem wahren inneren Gemütszustand steht. Denn in meinem Inneren kämpfe ich immer damit, mir einzugestehen, dass ich eben wie niemand anderes auch, eben nicht die hohen Anforderungen erfüllen kann, von denen ich whanhaft überzeugt bin, sie doch erfüllen zu können.

Es ist einfach wichtig, dass ich so eine Art Über-Ich schaffe und mit meiner narzisstiscen Seite in Kontakt trete, um mir immer wieder darüber klar zu werden, weshalb ich wie handel und mich fühle.

Ich bin ein kompensatorischer Narzisst, der mit grandiosem Selbst erscheint, dem aber Selbstzweifel, Minderwertigkeits- und Schamgefühle zugrunde liegen.

Die Gründe für diesen Narzissmus liegen wie alle meine Probleme und Persönlichkeitsstrukturen der Ehekrise meiner Eltern zugrunde und der Selbsterhöhung, die ich im Kopf gegenüber meinem Vater betrieben habe.

Ich empfinde mich nur dann als gut genug für eine Frau, wenn ich mich selbst als gut genug empfinde. Und aufgrund meiner hohen, einem Perfektionismus entwachsenden, Ansprüche an mich selbst, tritt dieser Fall nie ein.

Außerdem würde für mich die Ablehnung durch eine Frau ein Zeichen dafür sein, dass ich eben nicht der perfekte Partner wäre und somit wäre mein Lebensziel, die Berechtigung meines Seins in Frage gestellt. Ich würde mich selbst als wertlos wahrnehmen.

Ich wusste nicht womit ich rechnen sollte. Wie kam es, dass sie sich plötzlich wieder gemeldet hatte. Vorsichtshalber hatte ich das Bett frisch bezogen, das Zimmer aufgeräumt, mir lange überlegt was ich anziehe und dann extra noch ein Hemd gebügelt. Und das obwohl ich eigentlich höchstens alle 3 Monate mal bügel.

Ich habe meine Ex-Freundin wieder getroffen. Eineinhalb Jahr ist es jetzt her, dass ich mich von ihr getrennt habe. Das ist in etwa so lange, wie wir auch zusammen waren. Und eigentlich sagt man ja, dass man genauso lange dauert, über eine Beziehung komplett hinwegzukommen, wie sie gedauert hat. Doch leider bin ich noch nicht darüber hinweg.

So saß ich ihr dann gegenüber in einem Restaurant. Und ich hätte anfangen können zu weinen. Denn vor mir saß diese wirklich schöne Frau, deren Schönheit mir gar nicht mehr bewusst gewesen war, da sie zu den Personen gehört, die auf Fotos viel schlechter aussehen, als im wahren Leben. Und ich hatte sie seit einem Jahr nur noch auf Bildern gesehen.

In mir kam die Angst hoch, nie wieder eine so hübsche Freundin zu finden. Vielleicht sogar nie wieder eine Freundin zu finden.

Je länger ich keine Freundin mehr habe, umso mehr schrumpft mein Selbstwertgefühl und umso mehr wächst die Angst vor Ablehnung durch eine Frau, die ich kennenlerne. Denn das würde ich auch als Bestätigung für meine Wertlosigkeit sehen, selbst wenn ich zB einfach nur nicht vom Aussehen her ihr “Typ” wäre. Da ich mir vorstelle, ich könnte eben der “perfekte” Partner sein, muss ich aus dieser Vorstellung heraus auch jeder Frau das bieten können, was sie sucht. Eine Ablehnung bedeutet dann immer, dass ich nicht perfekt bin. Das zerstört dann mein komplettes Selbstbild, auf dem alleine ich mein Selbstwertgefühl aufgebaut habe.

Als ich wusste, dass ich sie treffen würde, kam in mir die Hoffnung hoch, dass wir vielleicht wieder zusammen kommen. Das dieses Treffen vielleicht ein Neubeginn sein könnte.

Tief in meinem Inneren habe ich gewusst, dass die Gründe aus denen ich mich damals schließlich von ihr getrennt habe, immer noch bestehen. Und in meinem tiefen Inneren weiß ich auch, dass die Trennung richtig war und das eine nochmalige Beziehung zwischen uns nicht funktionieren würde. Sie ist in einer ganz anderen Lebensphase als ich. Ihr Verlangen nach Sex wird sich sicher auch kaum vergrößert haben. Und sie ist immer noch die egozentrische Person, die sie damals war, da bin ich mir nach diesem Treffen sicher. Sie hat mir auch nie die Wertschätzung entgegen gebracht, die ich verdient habe. Und das sage ich nicht, weil ich überzeugt bin, dass ich sie sicher verdient hätte. Das sage ich, weil ich weiß, wieviel ich ihr in dieser Beziehung gegeben habe und rückblickend habe ich den Eindruck, dass ich dafür so gut wie nichts von ihr zurückbekommen habe. Aber warum ich diese Selbstaufopferung mitgemacht habe, weiß ich ja.

Trotz allem lebte in mir die, ich nenne sie mal infantile, Hoffnung nach einer Situation, in der ich glücklich mit ihr zusammen bin.

Ich war derjenige, der sich von ihr getrennt hat und doch habe ich das Gefühl in meiner Rolle als perfekter Partner versagt zu haben und somit als Person komplett wertlos zu sein. Würden wir doch wieder glückllich zusammen kommen, würde dieses Versagen wieder relativiert werden, ich hätte nicht versagt. Aber es ist eben doch nur eine wirklich dümmliche Hoffnung.

Nichstdestotrotz kam sie in mir hoch, als ich ihr gegenüber saß, neben ihr her durch die Stadt lief, ihr Parfüm roch, als sie an mir vorbeiging und wir zusammen in meinem Zimmer saßen und stundenlang hätten noch weiter reden können.

Sie mir auch gezeigt, wonach ich mich so sehr sehne; wie gerne ich eine Freundin hätte.

Sie hat mir gezeigt, wie gut es ihr geht. Und damit aber auch, wie beschissen es mir geht.

(Ob es ihr wirklich so super geht weiß ich deshalb nicht. Während unserer Beziehung habe ich schon gelernt, dass sie eine Meisterin in Selbsttäuschung ist. Aber man kann es ja auch positiv bewerten, wenn jemand immer versucht nur das positive zu sehen.)

Als einziger Wermutstropfen dieses Treffens bleibt übrigt, dass sie mir nochmal gesagt hat, dass es schon richtig war, dass ich mich von ihr getrennt habe. So sagt sie heute, dass die Beziehung rückblickend von ihr aus sicher auch nicht mehr lange gedauert hätte.

Aber auch das hilft mir heute nichts. Ich habe immer noch das Gefühl, versagt zu haben.

Als ich 12 Jahre alt war standen meine Eltern kurz vor einer Trennung und ich stand auf der Seite meiner Mutter. Ich habe gesehen, wie meine ganze Familie, meine Schwestern und meine Mutter darunter gelitten haben, dass mein Vater nicht eingesehen hat, dass er sich ändern muss, wenn er seine Familie nicht verlieren möchte. Auch ich habe sehr darunter gelitten, aber insbesondere darunter, dass meine Mutter so gelitten hat. Ich selbst durfte nicht nach außen leiden, weil ich für meine Schwestern und meine Mutter dasein wollte.

Ich habe dann für mich nach einem Ausweg aus diesem Leid gesucht und habe für mich den Weg gefunden, der mir in der damaligen Situation Leid erspart hat. Ich habe mich selbst über meinen Vater gestellt, indem ich mir sicher war, dass ich es in meinem späteren Leben in einer Partnerschaft nie dazu kommen lassen würde, dass die Beziehung aufgrund meiner mangelnden Einsichtsfähigkeit zerbricht. Gleichzeitig habe ich damals als 12jähriger einen Ausweg darin gefunden, Ersatzpartner für meine Mutter zu spielen, indem ich all das war, was aus meiner Sicht mein Vater nicht war. Ich habe ihn damals verachtet.

Meine Mutter hat diesen meinen Weg bestärkt, indem sie mir immer eingebläut hat, bloß nie so zu werden , wie meinVater. Meinem Vater gegenüber hat sie auch immer betont, in welchen Punkten ich in ihren Augen ihm “überlegen” bin. Das hat mich natürlich darin bestärkt einen Ausweg aus meinen Leiden in der Erfüllung dieser “Rollen” zu suchen.

Zum einen in der Rolle als Ersatzpartner für meine Mutter, zum anderen in der Vorstellung es in meinen zukünftigen Beziehungen nie zu einer Trennung kommen zu lassen.

Gleichzeitig habe ich in diesem Alter in der Schule eine Außenseiterrolle gehabt. Ich wurde “gemobbt”, sei es wegen meiner Kleidung oder in der Sportumkleide wegen der Tatsache, dass ich eben ein Spätentwickler war. So habe ich angefangen mein Selbstwertgefühl aus der Rolle zu ziehen, in die ich mich schon wegen der Ehekrise meiner Eltern gedacht habe. Ich habe mich darüber definiert, dass ich in Beziehung zu meiner Mutter ein besserer Partner wäre, aber insbesondere über die Tatsache, dass ich mir klar gemacht habe, ich möchte für alle spätere Partnerinnen der perfekte Freund/Partner sein. Während es in meiner damaligen Situation sicher ein kluger Ausweg aus meiner miserablen Lage war, leide ich heute darunter, dass ich nie aufgehört habe mich über diese Rolle zu definieren.

Über die Jahre wurde ich in diesem Weg auch immer weiter bestärkt. So habe ich immer genau zugehört, wenn meine Schwestern mir erzählt haben, was für Scheiße Männer in Beziehungen bauen. Und ich habe besonders aufmerksam die Frauenzeitschriften meiner Schwestern gelesen, um zu erfahren, wie ich mich als “perfekter Partner” in einer Beziehung zu verhalten habe, wie ich es den Frauen Recht machen kann.

Da ich mein gesamtes Selbstwertgefühl, mein gesamtes Ich auf dieser Rolle aufgebaut habe, setze ich mich auch heute noch besonders unter Druck. Denn in einer Beziehung muss ich meine eigenen hohen Anforderungen an mich auch erfüllen. Jedes Scheitern einer Beziehung ist für mich ein Versagen, ein Ausdruck einer Wertlosigkeit. Und was ist schlimmer, als sich als Person, als Mensch wertlos zu fühlen?

Das hat zu mehreren Effekten geführt.

Ich habe auf der einen Seite schon immer eine riesige Sehnsucht nach einer Beziehung. Einer Beziehung, in der ich in meiner Rolle aufgehen kann, in der ich mir beweisen kann, dass ich der perfekte Partner bin, dass ich liebenswert bin, dass ich als Mensch etwas wert bin, dass ich wirklich besser bin als mein Vater damals. (Interessanterweise habe ich daraus auch den Umkehrschluss gezogen, dass ich auch nur die hübschesten Frauen als Freundin verdient habe, da ich ja so ein perfekter Partner bin.)

Für mich ist mein Leben nichts wert, wenn ich nicht meine “Rolle” erfüllen kann. Denn meine gesamte Lebensplanung ist darauf ausgerichtet nicht für mich etwas zu machen oder nach dem zu streben, was mich glücklich macht. Es geht nur darum, der perfekte Partner, am besten der perfekte Ehemann zu sein. Allein darin sehe ich meinen Lebenssinn.

Der andere Effekt ist, dass ich extrem schüchtern bin und Frauen nie anspreche. Ich stelle mir vor, dass ich ein so perfekter Partner wäre, dass ich es eigentlich jeder Frau Recht machen können müsste. Den Grund für eine Ablehnung sehe ich dann darin, dass ich eben nicht die Rolle erfüllen kann, in deren Erfüllung alleine ich meinen Lebenssinn sehe. Jede Ablehnung erlebe ich als komplettes Versagen als Mensch. Diese Angst ist so stark, dass ich nie derjenige sein kann, der den nächsten Schritt macht, wenn ich eine Frau kennenlerne. Außer in dem Fall, dass ich 200prozentig sicher bin, dass die Frau nich sicher nicht ablehnen wird. Dass folglich die Zahl meiner bisherigen Freundinnen seeehr gering ist, ist da sicher nicht überraschend.

Meine Rolle in einer Beziehung sehe ich der eines Ehemanns gleich, denn das ist ja auch die Rolle, die ich eben besser ausfüllen möchte, als mein Vater es gemacht hat. Das hat aber zur Folge, dass ich keine Beziehung führen kann, die nur locker nebenher läuft oder die etwas offener ist. Affären kommen da schon gar nicht in Frage. Denn ich will mich ja unbedingt beweisen und die Bestätigung dafür haben, dass ich ein perfekter, ehemanngleicher Partner bin.

Die beiden großen Beziehungen, die ich hatte, waren folglich auch an Intensität nicht zu übertreffen. Wie intensiv dann die Trennung für mich war, muss ich glaube ich nicht erläutern. Jede hat mich in eine schwere Depression geführt.

Und so bin ich mmer noch gefangen. Denn ich habe keine Freundin, weil ich zu große Angst vor Ablehnung und dem Versagen in meiner Rolle, über die ich mich definiere, habe. Ich sehne mich aber nach einer Freundin, weil ich nur glücklich sein kann, wenn ich in einer Beziehung meine Rolle ausfüllen kann und so das Gefühl habe, etwas wert zu sein.

Für mich ist es wichtig festzustellen, dass diese Flucht in das Selbstbild des “perfekten Partners” im Alter von 12 jahren sicher ein guter Ausweg aus meinem Leid und meinen Selbstzweifeln war. Aber dass ich mich heute nicht mehr in der damaligen Situation befinde. Ich muss lernen, mein Selbstwertgefühl, meinen Lebenssinn nicht mehr aus der Erfüllung dieser Rolle heraus zu sehen. Aber wie einfach ist das wohl, wenn man über 10 Jahre lang diesem Verhaltensmuster gefolgt ist?