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Ich muss nicht perfekt sein. Ich muss in der mündlichen Prüfung nicht die 12-Punkte-Kandidaten-Fragen beantworten, sondern nur die 4-Punkte-Kandidaten-Fragen.
Was die Leute in der mündlichen Prüfung denken, kann mir egal sein. Bestenfalls sehe ich sie nie wieder.
Ich kann davor nicht fliehen und muss mich dem stellen. Dann sollte ich versuchen noch das Beste daraus zu machen.
Es bringt NICHTS die ganze Zeit darüber nachzudenken und sich darüber Gedanken zu machen, wie das wird.
Negative Gedanken bringen mir NICHTS, gar NICHTS.
Das einzige was etwas nützt ist jetzt konzentriert zu lernen.
Ich habe immer noch eine zweite Chance.
Es ist jetzt wie es ist. Ich kann jetzt auch nichts mehr daran ändern. Ich gebe mein Bestes und mehr geht nicht.
Das ich das mit dem Kühlschrank aufschiebe ist doch gut. Ich konzentriere mich auf das, worauf es ankommt, das Lernen.
Wenn ich das Staatsexamen bestehe, schaffe ich auch alles andere.
Ich muss einen Weg finden, nicht schon jetzt in Stress zu verfallen wegen der mündlichen Prüfung. Wenn ich das durch Selbstbetrug schaffe ist das doch ok. Hauptsache ist, dass ich es schaffe und das ich so motiviert bleibe.
Ich versuche immer noch bei allem perfekt zu sein. Dabei sollte ich mir klar machen, dass ich das gar nicht sein kann, und das ich das auch gar nicht wollen sollte. Das gilt generell und in der mündlichen Prüfung.
Die Vorstellung perfekt zu sein bzw. perfekt sein zu können, spielt sich nur in meinem Kopf ab. In der Realität bin ich es gar nicht und finde trotzdem Anerkennung und werde geliebt.
Ich bin nicht perfekt, und werde trotzdem nicht geringgeschätzt und finde Anerkennung und werde geliebt.
Ich muss mich immer fragen, ob ich von der Person, von der ich etwas will (sei es ein Kühlschrank oder eine gute Note), geliebt werden möchte. Und was es mir bringt von dieser Person, die mich nicht definiert, geliebt zu werden.
Mein Grundproblem ist das Problem des kleinen Ichs in mir. Der denkt, wenn er perfekt wäre, dann kann ihm nichts passieren, weil er dann von allen geliebt wird. Und so denke ich heute auch immer, dass ich nur geliebt werde, wenn ich alles perfekt mache bzw. perfekt bin.
Dabei sollte ich mich fragen, was mir passiert oder was schlimm daran ist, wenn ich nicht von all den Leuten, mit denen ich zu tun habe, geliebt werde. Von jemandem, dem ich ein Kühlschrank abkaufen will, muss ich nicht geliebt werden und ich will mich auch nicht über dessen Einschätzung bzgl. mir, definierern lassen, denn diese Leute kennen mich nicht. Außerdem sollte ich ihnen nicht die Definitionsmacht über mich geben. Und außerdem habe ich auch nichts davon von ihnen geliebt zu werden, denn ich werde mit ihnen vielleicht nie wieder etwas zu tun haben.
Ob ich von jemandem geliebt werde, hat nichts mit Perfektion zu tun, sondern mit ganz anderen Faktoren, auf die ich gar keinen Einfluss habe.
Ich muss mir bezüglich der mündlichen Prüfung klar machen, dass ich nicht durchfallen werde. Dies war bei bisherigen mündlichen Prüfungen auch nicht anders. Ich muss das etwas üben und in der münlichen Prüfung werde ich schon irgendetwas sagen können.
Ich bin unmotiviert, weil ich denke, dass ich bei der mündlichen Prüfung versagen werde. Ich muss mir bezüglich der mündlichen Prüfung aber einfach nur realistischere Vorstellungen machen. Es ist kein Auswendiggelerntes vortragen. Vielmehr geht es um Gesamtverständnis. Und selbst, wenn ich durchfallen sollte, so habe ich immer noch eine zweite Chance im Januar 2010. Außerdem gibt es vorher noch eine Probemündliche Prüfung und ich kann einen guten Freund fragen, ob ich mit ihm üben kann.
Ich muss darüber nachdenken, wie es für mich war, wie meine Mutter reagiert hat, wenn ich nicht brav und vernünftig war und scheiße gebaut habe. Sie hat mich trotzdem geliebt und wird mich auch immer lieben, auch wenn ich nicht perfekt sein werde. Und genauso wird es mit Freunden und anderen sein. Keiner wird mich lieben nur weil ich in meinem Beruf gut bin. Und danach definiert sich auch nciht mein Glück.
Ich weiß heute auf jeden Fall, warum ich und meine Schwestern sich mit dem Studium und den Noten immer stressen. Es liegt daran, dass meine Eltern so viel wert auf ihre Außenwirkung lenken und immer die Sorge haben, was die Nachbarn wohl denken. Sie reden selber immer verächtlich über Nachbarn und andere Menschen und wie bescheuert und bekloppt die sind. Das erzeugt bei uns Kindern natürlich die Überzeugung, dass wir auch auf die Außenwirkung achten oder unsere Eltern wert darauf legen, dass ihre Kinder etwas Gescheites machen oder werden.
Wenn meinen Eltern über die Studienleistungen der Kinder ihrer Bekannten reden und das dann vielleicht auch noch so ein bisschen von oben herab, dann muss ich davon ausgehen, dass meine Eltern auch so über mich denken, wenn ich nicht die entsprechenden Stuidenleistungen bringe. Oder das meine Eltern dann zumindest ein Problem damit haben, dass sie dann nach außen nicht mehr so perfekt wirken.
Das ist mit ein Grund, warum ich diese Emphasis aufmeine Außenwirkung lege. Um die Liebe meiner Eltern nicht zu verlieren. Und das ist dann auch der Grund warum ich vor einer schlechten Examensnote Angst habe. Weil ich dann in den Augen meiner Eltern versagt hätte und sie nicht mehr stolz auf mich wären.
Meine Eltern reden immer schlecht über andere und haben gleichzeitig höllishe Angstdavor, dass dann andere bloß nicht schlecht über sie reden. Das haben sie mit Sicherheit von ihren Eltern geerbt.
Ich muss mir klar machen, dass es meinen Eltern absolut reicht, wenn ich das Examen bestehe. Sie glauben daran, dass ich trotzdem erfolgreich meinen Weg gehen werde. Ich bin auf sei auch nicht mehr angewiesen. Ein halbes Jahr mehr wegen einem zweiten Staatsexamensversuch könnte ich mir mit einem Studienkredit auch immer selbst finanzieren. Abhängig von ihrem Geld und ihrer Liebe bin ich nicht mehr.
Ich kann jetzt ich sein und meinen eigenen Weg gehen. Vielleicht ja schon in 2 Monaten.
Wichtig für mich ist, dass ich mich von der Bindung an meine Mutter löse und in die weite Welt hinausgehe. Ich halte halt immer noch daran fest, weil es mir Sicherheit gibt in einer Zeit, in der nichts sicher scheint.
Meine Position in der Familie war eine selbsterhöhte Position, da ich mich über meinen vater, über alle gestellt habe, um sie von oben herab zu bewerten und ihnen aus meiner Sicht zu helfen. Dadurch habe ich mir einen gewissen Wert vermittelt und mich davor bewahrt in die Gegenteiligkeit, die Wertlosigkeit zu rutschen.
Das selbe Muster ist ja einem ältesten Geschwister von kleinauf in die Wiege gelegt. Mein Wert definiert sich auch daraus meinen kleinen Geschwistern zu helfen.
Heute muss ich mich fragen, was eigentlich der persönliche Nutzen ist, den ich aus dieser Postion, die ich damals in der Familie eingenommen habe, ziehe. Aus der Position, sich über einen anderen zu stellen, um ihm aus dieser Position heraus zu helfen.
Denn das ist ja das, was ich am liebsten mache. Das Gefühl einem anderen wirklich geholfen zu haben, indem ich ihm aufzeige, was für Probleme er hat. Wobei ich dabei eben eine erhabe, höhere Position im Vergleich zu dem Geholfenen habe.
Deshalb fällt es mir auch so schwer mich von der Verantwortung, die ich für meine Mutter übernommen habe, zu befreien. Denn daraus habe ich meinen Wert bezogen und mich gleichzeitig über beide gestellt.
Ich muss mich immer daran erinnern, dass ich diese Aufgabe jetzt nicht mehr habe und auch keinen Nutzen mehr daraus ziehesondern im Gegenteil großes Leid für mich.
Ich beginne festzustellen, dass ich immer mehr davon wegkomme, der perfekte Ehemann für meine Mutter sein zu wollen. Und somit auch von dem Bild abrücke, dass ich jetzt sofort meine Traumfrau finden muss, um das Leben meiner Eltern in einer frühen Ehe dann nachzuleben. Ich denke, ich habe hier große Fortschritte gemacht.
Deshalb beginne ich mich zu Fragen was eigentlich der Sinn meines Lebens ist und worin dann mein Glück liegt. Denn nach meiner bisherigen Vorstellung wäre ich erst glücklich, wenn ich viel Geld verdiene, eine gutaussehende Frau und ein Haus und Kinder habe.
Ich denke aber heute, dass es das nicht sein kann. Zu schnell hat man seinen Job verloren, die Frau geht fremd, das Kind stirbt. Ich glaube, dass man sein Glück jeden Tag in seinem Alltag finden können muss. In der Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen. Denn diese Dinge wird man immer haben, ob man arm ist, krank ist oder sonst was ist. Ich habe nichts davon, wenn ich mein Glück nur in der fernen Zukunft erreichen kann und folglich bis dahin nicht glücklich sein kann.
Vor dem Hintergrund einer solchen Lebenseinstellung sollte ich auch eher ein kleiner Anwalt für alles werden als der Fachanwalt, der mehr Geld verdient, dafür aber einen beschisseneren Job hat.
Jetzt gilt es erstmal das Examen zu schreiben. Ich sge zwar immer, ich stehe vor einem tiefem Abgrund und drohe ständig das Gleichgewicht zu verlieren und runter zu fallen (also in Panik und Untergangsfantasien auszubrechen, aber die Wahrheit ist, dass der Abgrund nur 1,20 Meter tief ist, denn sollte alles schief laufen habe ich immer noch einen zweiten Examensversuch, für den ich mich nochmal zusätzlich 5 Monate vorbereiten kann.
Ich überlege immer, ob Aufregung und Angst jetzt noch einen Sinn haben und ich denke nicht. Ich sehe ihn aber nicht. Ich könnte dann nur nicht nicht schlafen und nicht gescheit essen. Und das bisschen mehr, dass ich dann jetzt aus Angst noch lernen würde, würde das nicht aufwiegen.
Das einzige Problem, dass ich noch habe, ist die Angst davor meine Muskelmasse zu verlieren. Wer bin ich denn ohne Muskeln? Würde mein Leben anders verlaufen? Nein, ich denke nicht.
Ich habe Angst davor in einen Zustand aus meiner frühen Schulzeit zurückzuverfallen. In dem ich wehrlos wahr und mich nicht männlich gefühlt habe. Aber in diesen kann ich heute gar nicht mehr zurückfallen. Ich will doch auch nicht nur wegen meinem Körper geliebt werden. Denn ist es so, drohe ich ja auch ständig diese Liebe wieder zu verlieren. Und 95 % aller Männer haben keinen besonderen Körper.
Charakter und Persönlichkeit, der Umgang mit anderen, dass sollte der Grund sein, warum man geliebt wird. Das wird man auch niemals verlieren.
Was noch wichtig ist für das Examen ist, dass ich mir immer wieder in Erinnerung rufe, dass es die perfekte Klausur gar nicht geben kann und auch in der Realität Perfektion nicht geben kann, denn jeder definiert sie für sich anders und somit ist Perfektion ein unerreichbarer Zustand und dem hinterherzueifern sinnlos. Vielmehr hält der Drang nach Perfektion einen davon ab gut zu sein.Kein mensch kann perfekt sein. Jeder kann nur so viel geben, wie er geben kann.
Stay cool and don’t try to be perfect!
Heute hat mir mein Vater gedankt, dass ich seinen Platz eingenommen habe all die Jahre und mir gesagt, es tut ihm leid, dass ich ihn solange einnehmen musste. Ich muss ihn jetzt nicht mehr einnehmen.
Der einzigen Erwartung der ich jetzt noch gegenüber stehe, ist einen angesehenen Beruf zu haben, und das werde ich ja aller Voraussicht nach haben. Ich muss nicht das Gegenbild von meinem Opa sein, sondern kann ich selbst sein.
Ich trage jetzt nicht mehr die Verantwortung, die ich in der Postion meines Vaters jahrelang getragen habe oder tragen musste. Ich muss nicht mehr der perfekte Ehemann für meine Mutter sein. Ich kann jetzt ich selbst sein und mein Leben leben.
Der Vorhang wurde geschlossen.
Ich bin auf der Flucht, auf der Flucht vor einem Ich, dass ich nicht oder nicht mehr sein will. Doch warum?
Diese Flucht vor etwas findet in vielem seine Ausprägung. Am intensivsten noch in meinem äußeren Erscheinungsbild. Die Vorstellung so dünn und unmuskulös zu sein, wie vor 4 Jahren erzeugt in mir eine riesige Angst. Eine Horrorvorstellung. Als Konsequenz habe ich Angst davor auch nur ein klitzekleines bisschen an Muskelmasse zu verlieren. Doch woher kommt das?
In meiner Jugend wurde ich von meiner Mutter immer wieder dazu ermahnt, bloß nie so zu werden, wie mein Vater, denn der sei genauso schlimm wie sein Vater und unausgesprochen auch so schlimm, wie ihr eigener Vater.
Beide Großväter von mir waren Tyrannen, die Herren im Haus, die alle nach ihrer Pfeife haben tanzen lassen, Kinder wie Frauen. Meinen eigenen Vater habe ich in meiner Jugend und der langjährigen Krise meiner Eltern genauso erlebt. Emotionslos, kühl, gnadenlos, unfehlbar. Die gleichzeitige Ermahnung durch meine Mutter, bloß nie so zu werden, war ein Auftrag für mich, den ich mir auch selbst auftrug. Wenn ich ihn erfüllen würde, würde ich von meiner Mutter bedingungslos geliebt werden und auch von allen anderen Frauen.
Der Auftrag war: Werde nicht so wie dein Vater und deine Großväter!
Ich hatte somit drei starke negative Rollenbilder an denen ich mich orientieren konnte, um meine eigene männliche Identität zu entwickeln.
Allerdings liegt in einem solchen Auftrag ein großes Problem. Auch wenn man trotzdem noch scheinbar viel Freiheit in der eigenen Entwicklung hat, ist sie trotzdem eingeschränkt. Man kann nicht man selbst werden!
Denn wenn man einfach nur man selbst ist, läuft man Gefahr, dass Teile dieses Selbst sich mit dem negativen Vorbild, dass man gerade vermeiden will, überschneiden.
Indem ich also immer darauf geachtet habe nicht wie mein Vater zu sein, konnte ich aber auch nicht ich selbst werden.
Das Problem: Wenn ich Teile dieses negativen Vorbildes erfüllt hätte, hätte das nicht nur bedeutet, dass ich nicht geliebt werde bzw. liebenswert bin; viel schlimmer noch, ich würde zutiefst gehasst werden.
Da ich nun also Angst haben musste, wenn ich einfach nur ich selbst sein würde, teilweise doch wie dieses negative Vorbild zu werden, habe ich das einzig logische gemacht: Ich bin nicht ich selbst geworden, sondern das möglichst starke Gegenteil von dem negativen Vorbild.
Denn je weiter ich von diesem Vorbild entfernt bin, um so weniger laufe ich Gefahr es vielleicht doch zu erfüllen.
Und jedesmal, wenn ich das Gefühl habe, mich von dem Gegenteil dieses Negativvorbildes ein Stück zu entfernen und damit dem Negativvorbild ein Stück näher zu kommen, gerate ich in Panik.
Und so befinde ich mich ständig auf der Flucht.