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Vor kurzem war es soweit. Ich hatte mein erstes Mal. Also genauer, zum ersten Mal einen One-Night-Stand.

Es war wunderschön. Es war so natürlich. Eines ist zum anderen gekommen, alles hat irgendwie von alleine funktioniert. Es war die perfekte Harmonie. Und trotzdem war es kein bisschen perfekt.

Die Brusthaars waren nicht rasiert, die Fußnägel nicht geschnitten, die Kleidung für den Arsch, die Bettwäsche älter, das Zimmer unaufgeräumt und es war spät und ich konnte nicht mehr so wie ich wollte.  Und trotzdem war es wirklich schön. Wie das erste Mal nach drei Dates und ohne den Scheißkram vorne dran.

Und was musste ich mir nicht alles anhören. Ich würde so ausgeglichen und innerlich ruhig wirken. Ich wäre irgendwie undurchschaubar. (Ich würde lieber sagen geheimnisvoll :-) ) Ich wäre echt sexy. Ich wäre ein Löwe. Ich hätte ein sehr prägnantes Gesicht und Augen. Ich gehörte zu den Leute, die einem auffallen. Und ich küsste wohl gerne und sei ein sehr guter Küsser. Hmm.

Entweder konnte die Frau gute Komplimente machen oder sie war ein absoluter Profi. Am nächsten Morgen beim gehen fragte ich sie noch nach ihrer Nummer, die sie mir aber nur mit der Bemerkung gab, dass sie momentan keine Bezieung wolle, weil sie sich zur Zeit nicht fest binden will.

Ob das stimmt oder nicht weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich ein Problem damit habe, dass es nach einer einzigen intensiven Nacht ganz plötzlich vorbei sein soll.

Ich denke zunächst trifft es mein perfektionistisches narzisstisches Ich. Wie kann eine Frau keine Beziehung mit mir dem perfekten Ehemann haben. Ist das so? Erstens bin ich nicht perfekt und zweitens kann man auch seinen Spaß haben ohne Beziehung. Die Frage ist nur, ob man das will. Sie anscheinend schon. Ich glaube, ich eher nicht. Aber es war auch nur mein erstes Mal. Vielleicht gewöhnt man sich dran.

Dannn trifft es mich vor meinem eigenen verletzlichen nicht-perfekten Ich. Hat sie das mit dem „sich nicht binden wollen neu gesagt, um mir eine sanfte Abfuhr zu verpassen ? Vielleicht komme ich als ein Langzeitfreund nicht in Frage. Sie wohnt auch sehr weit weg. Das sie keine Beziehung will liegt aber nciht daran, dass ich nicht perfekt war. Sie hat mir mehrmals versichert, dass sie eine schöne Nacht hatte. Sie wollte morgens auch nicht gehen, musste aber.

Sie wird sich wohl wirklich in einer Phase befinden, in der sie sich nicht binden will. Wer weiß schon, wie ihr bisheriges Beziehungleben so aussah. Da sie noch nicht kurz vor 30 und dem Torschlusspanik-Syndrom steht hat sie höchstens ein wenig sehr unrealistische Ansprüche bezüglich eines Mannes/Freund. Da kann ich ihr für die Suche nur sehr viel Glück wünschen! An mir lag es nicht :-)

Ich muss lernen mit dieser Ohnmacht umzugehen, auch wenn ich es nicht schaffe aktiv durch Tätigkeiten dagegen zu arbeiten.

Ich muss mir klar machen, dass das Ergebnis jetzt von meinem Glück abhängt. Ändern kann ich daran nichts mehr. Und sollte ich durchgefallen sein und nicht bestanden haben, dann kann ich das Examen nochmal ein Jahr später wiederholen.

Ich habe im Moment also nichts zu verlieren. Ein weiteres Jahr zu lernen, wäre auch kein Verlust, da ich ja für meine Zukunft Wissen ansammle.

Desweiteren muss ich wieder mehr darauf achten, nicht dem alten Narzissmus zu verfallen, denn das tue ich gerade. Die lange Pause und der Urlaub hat mir nicht gut getan. Ich war da schonmal ein Stück weiter.

Ich muss neben mir gehen und analysiere was der Narzisst ist und was ich darstellen will und was ich davon habe. Ich muss mir überlegen, dass ich ich bin und muss definieren, wer ich sein will. Denn der Narzisst hat einen großen Schatten und produziert große Angst, je größer er selber wird.

Und ich muss mir klar machen, dass ich nichts verliere und mir nichts passieren kann, wenn ich nicht perfekt bin, sondern ich ich bin.

Ich wusste nicht womit ich rechnen sollte. Wie kam es, dass sie sich plötzlich wieder gemeldet hatte. Vorsichtshalber hatte ich das Bett frisch bezogen, das Zimmer aufgeräumt, mir lange überlegt was ich anziehe und dann extra noch ein Hemd gebügelt. Und das obwohl ich eigentlich höchstens alle 3 Monate mal bügel.

Ich habe meine Ex-Freundin wieder getroffen. Eineinhalb Jahr ist es jetzt her, dass ich mich von ihr getrennt habe. Das ist in etwa so lange, wie wir auch zusammen waren. Und eigentlich sagt man ja, dass man genauso lange dauert, über eine Beziehung komplett hinwegzukommen, wie sie gedauert hat. Doch leider bin ich noch nicht darüber hinweg.

So saß ich ihr dann gegenüber in einem Restaurant. Und ich hätte anfangen können zu weinen. Denn vor mir saß diese wirklich schöne Frau, deren Schönheit mir gar nicht mehr bewusst gewesen war, da sie zu den Personen gehört, die auf Fotos viel schlechter aussehen, als im wahren Leben. Und ich hatte sie seit einem Jahr nur noch auf Bildern gesehen.

In mir kam die Angst hoch, nie wieder eine so hübsche Freundin zu finden. Vielleicht sogar nie wieder eine Freundin zu finden.

Je länger ich keine Freundin mehr habe, umso mehr schrumpft mein Selbstwertgefühl und umso mehr wächst die Angst vor Ablehnung durch eine Frau, die ich kennenlerne. Denn das würde ich auch als Bestätigung für meine Wertlosigkeit sehen, selbst wenn ich zB einfach nur nicht vom Aussehen her ihr „Typ“ wäre. Da ich mir vorstelle, ich könnte eben der „perfekte“ Partner sein, muss ich aus dieser Vorstellung heraus auch jeder Frau das bieten können, was sie sucht. Eine Ablehnung bedeutet dann immer, dass ich nicht perfekt bin. Das zerstört dann mein komplettes Selbstbild, auf dem alleine ich mein Selbstwertgefühl aufgebaut habe.

Als ich wusste, dass ich sie treffen würde, kam in mir die Hoffnung hoch, dass wir vielleicht wieder zusammen kommen. Das dieses Treffen vielleicht ein Neubeginn sein könnte.

Tief in meinem Inneren habe ich gewusst, dass die Gründe aus denen ich mich damals schließlich von ihr getrennt habe, immer noch bestehen. Und in meinem tiefen Inneren weiß ich auch, dass die Trennung richtig war und das eine nochmalige Beziehung zwischen uns nicht funktionieren würde. Sie ist in einer ganz anderen Lebensphase als ich. Ihr Verlangen nach Sex wird sich sicher auch kaum vergrößert haben. Und sie ist immer noch die egozentrische Person, die sie damals war, da bin ich mir nach diesem Treffen sicher. Sie hat mir auch nie die Wertschätzung entgegen gebracht, die ich verdient habe. Und das sage ich nicht, weil ich überzeugt bin, dass ich sie sicher verdient hätte. Das sage ich, weil ich weiß, wieviel ich ihr in dieser Beziehung gegeben habe und rückblickend habe ich den Eindruck, dass ich dafür so gut wie nichts von ihr zurückbekommen habe. Aber warum ich diese Selbstaufopferung mitgemacht habe, weiß ich ja.

Trotz allem lebte in mir die, ich nenne sie mal infantile, Hoffnung nach einer Situation, in der ich glücklich mit ihr zusammen bin.

Ich war derjenige, der sich von ihr getrennt hat und doch habe ich das Gefühl in meiner Rolle als perfekter Partner versagt zu haben und somit als Person komplett wertlos zu sein. Würden wir doch wieder glückllich zusammen kommen, würde dieses Versagen wieder relativiert werden, ich hätte nicht versagt. Aber es ist eben doch nur eine wirklich dümmliche Hoffnung.

Nichstdestotrotz kam sie in mir hoch, als ich ihr gegenüber saß, neben ihr her durch die Stadt lief, ihr Parfüm roch, als sie an mir vorbeiging und wir zusammen in meinem Zimmer saßen und stundenlang hätten noch weiter reden können.

Sie mir auch gezeigt, wonach ich mich so sehr sehne; wie gerne ich eine Freundin hätte.

Sie hat mir gezeigt, wie gut es ihr geht. Und damit aber auch, wie beschissen es mir geht.

(Ob es ihr wirklich so super geht weiß ich deshalb nicht. Während unserer Beziehung habe ich schon gelernt, dass sie eine Meisterin in Selbsttäuschung ist. Aber man kann es ja auch positiv bewerten, wenn jemand immer versucht nur das positive zu sehen.)

Als einziger Wermutstropfen dieses Treffens bleibt übrigt, dass sie mir nochmal gesagt hat, dass es schon richtig war, dass ich mich von ihr getrennt habe. So sagt sie heute, dass die Beziehung rückblickend von ihr aus sicher auch nicht mehr lange gedauert hätte.

Aber auch das hilft mir heute nichts. Ich habe immer noch das Gefühl, versagt zu haben.