Archiv nach Monaten: April 2009

Ich weiß heute auf jeden Fall, warum ich und meine Schwestern sich mit dem Studium und den Noten immer stressen. Es liegt daran, dass meine Eltern so viel wert auf ihre Außenwirkung lenken und immer die Sorge haben, was die Nachbarn wohl denken. Sie reden selber immer verächtlich über Nachbarn und andere Menschen und wie bescheuert und bekloppt die sind. Das erzeugt bei uns Kindern natürlich die Überzeugung, dass wir auch auf die Außenwirkung achten oder unsere Eltern wert darauf legen, dass ihre Kinder etwas Gescheites machen oder werden.

Wenn meinen Eltern über die Studienleistungen der Kinder ihrer Bekannten reden und das dann vielleicht auch noch so ein bisschen von oben herab, dann muss ich davon ausgehen, dass meine Eltern auch so über mich denken, wenn ich nicht die entsprechenden Stuidenleistungen bringe. Oder das meine Eltern dann zumindest ein Problem damit haben, dass sie dann nach außen nicht mehr so perfekt wirken.

Das ist mit ein Grund, warum ich diese Emphasis aufmeine Außenwirkung lege. Um die Liebe meiner Eltern nicht zu verlieren. Und das ist dann auch der Grund warum ich vor einer schlechten Examensnote Angst habe. Weil ich dann in den Augen meiner Eltern versagt hätte und sie nicht mehr stolz auf mich wären.

Meine Eltern reden immer schlecht über andere und haben gleichzeitig höllishe Angstdavor, dass dann andere bloß nicht schlecht über sie reden. Das haben sie mit Sicherheit von ihren Eltern geerbt.

Ich muss mir klar machen, dass es meinen Eltern absolut reicht, wenn ich das Examen bestehe. Sie glauben daran, dass ich trotzdem erfolgreich meinen Weg gehen werde. Ich bin auf sei auch nicht mehr angewiesen. Ein halbes Jahr mehr wegen einem zweiten Staatsexamensversuch könnte ich mir mit einem Studienkredit auch immer selbst finanzieren. Abhängig von ihrem Geld und ihrer Liebe bin ich nicht mehr.

Ich kann jetzt ich sein und meinen eigenen Weg gehen. Vielleicht ja schon in 2 Monaten.

Wichtig für mich ist, dass ich mich von der Bindung an meine Mutter löse und in die weite Welt hinausgehe. Ich halte halt immer noch daran fest, weil es mir Sicherheit gibt in einer Zeit, in der nichts sicher scheint.

Vor kurzem war es soweit. Ich hatte mein erstes Mal. Also genauer, zum ersten Mal einen One-Night-Stand.

Es war wunderschön. Es war so natürlich. Eines ist zum anderen gekommen, alles hat irgendwie von alleine funktioniert. Es war die perfekte Harmonie. Und trotzdem war es kein bisschen perfekt.

Die Brusthaars waren nicht rasiert, die Fußnägel nicht geschnitten, die Kleidung für den Arsch, die Bettwäsche älter, das Zimmer unaufgeräumt und es war spät und ich konnte nicht mehr so wie ich wollte.  Und trotzdem war es wirklich schön. Wie das erste Mal nach drei Dates und ohne den Scheißkram vorne dran.

Und was musste ich mir nicht alles anhören. Ich würde so ausgeglichen und innerlich ruhig wirken. Ich wäre irgendwie undurchschaubar. (Ich würde lieber sagen geheimnisvoll :-) ) Ich wäre echt sexy. Ich wäre ein Löwe. Ich hätte ein sehr prägnantes Gesicht und Augen. Ich gehörte zu den Leute, die einem auffallen. Und ich küsste wohl gerne und sei ein sehr guter Küsser. Hmm.

Entweder konnte die Frau gute Komplimente machen oder sie war ein absoluter Profi. Am nächsten Morgen beim gehen fragte ich sie noch nach ihrer Nummer, die sie mir aber nur mit der Bemerkung gab, dass sie momentan keine Bezieung wolle, weil sie sich zur Zeit nicht fest binden will.

Ob das stimmt oder nicht weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich ein Problem damit habe, dass es nach einer einzigen intensiven Nacht ganz plötzlich vorbei sein soll.

Ich denke zunächst trifft es mein perfektionistisches narzisstisches Ich. Wie kann eine Frau keine Beziehung mit mir dem perfekten Ehemann haben. Ist das so? Erstens bin ich nicht perfekt und zweitens kann man auch seinen Spaß haben ohne Beziehung. Die Frage ist nur, ob man das will. Sie anscheinend schon. Ich glaube, ich eher nicht. Aber es war auch nur mein erstes Mal. Vielleicht gewöhnt man sich dran.

Dannn trifft es mich vor meinem eigenen verletzlichen nicht-perfekten Ich. Hat sie das mit dem „sich nicht binden wollen neu gesagt, um mir eine sanfte Abfuhr zu verpassen ? Vielleicht komme ich als ein Langzeitfreund nicht in Frage. Sie wohnt auch sehr weit weg. Das sie keine Beziehung will liegt aber nciht daran, dass ich nicht perfekt war. Sie hat mir mehrmals versichert, dass sie eine schöne Nacht hatte. Sie wollte morgens auch nicht gehen, musste aber.

Sie wird sich wohl wirklich in einer Phase befinden, in der sie sich nicht binden will. Wer weiß schon, wie ihr bisheriges Beziehungleben so aussah. Da sie noch nicht kurz vor 30 und dem Torschlusspanik-Syndrom steht hat sie höchstens ein wenig sehr unrealistische Ansprüche bezüglich eines Mannes/Freund. Da kann ich ihr für die Suche nur sehr viel Glück wünschen! An mir lag es nicht :-)

Ich muss lernen mit dieser Ohnmacht umzugehen, auch wenn ich es nicht schaffe aktiv durch Tätigkeiten dagegen zu arbeiten.

Ich muss mir klar machen, dass das Ergebnis jetzt von meinem Glück abhängt. Ändern kann ich daran nichts mehr. Und sollte ich durchgefallen sein und nicht bestanden haben, dann kann ich das Examen nochmal ein Jahr später wiederholen.

Ich habe im Moment also nichts zu verlieren. Ein weiteres Jahr zu lernen, wäre auch kein Verlust, da ich ja für meine Zukunft Wissen ansammle.

Desweiteren muss ich wieder mehr darauf achten, nicht dem alten Narzissmus zu verfallen, denn das tue ich gerade. Die lange Pause und der Urlaub hat mir nicht gut getan. Ich war da schonmal ein Stück weiter.

Ich muss neben mir gehen und analysiere was der Narzisst ist und was ich darstellen will und was ich davon habe. Ich muss mir überlegen, dass ich ich bin und muss definieren, wer ich sein will. Denn der Narzisst hat einen großen Schatten und produziert große Angst, je größer er selber wird.

Und ich muss mir klar machen, dass ich nichts verliere und mir nichts passieren kann, wenn ich nicht perfekt bin, sondern ich ich bin.

Meine Position in der Familie war eine selbsterhöhte Position, da ich mich über meinen vater, über alle gestellt habe, um sie von oben herab zu bewerten und ihnen aus meiner Sicht zu helfen. Dadurch habe ich mir einen gewissen Wert vermittelt und mich davor bewahrt in die Gegenteiligkeit, die Wertlosigkeit zu rutschen.

Das selbe Muster ist ja einem ältesten Geschwister von kleinauf in die Wiege gelegt. Mein Wert definiert sich auch daraus meinen kleinen Geschwistern zu helfen.

Heute muss ich mich fragen, was eigentlich der persönliche Nutzen ist, den ich aus dieser Postion, die ich damals in der Familie eingenommen habe, ziehe. Aus der Position, sich über einen anderen zu stellen, um ihm aus dieser Position heraus zu helfen.

Denn das ist ja das, was ich am liebsten mache. Das Gefühl einem anderen wirklich geholfen zu haben, indem ich ihm aufzeige, was für Probleme er hat. Wobei ich dabei eben eine erhabe, höhere Position im Vergleich zu dem Geholfenen habe.

Deshalb fällt es mir auch so schwer mich von der Verantwortung, die ich für meine Mutter übernommen habe, zu befreien. Denn daraus habe ich meinen Wert bezogen und mich gleichzeitig über beide gestellt.

Ich muss mich immer daran erinnern, dass ich diese Aufgabe jetzt nicht mehr habe und auch keinen Nutzen mehr daraus ziehesondern im Gegenteil großes Leid für mich.