Archiv nach Monaten: Februar 2009

Ich beginne festzustellen, dass ich immer mehr davon wegkomme, der perfekte Ehemann für meine Mutter sein zu wollen. Und somit auch von dem Bild abrücke, dass ich jetzt sofort meine Traumfrau finden muss, um das Leben meiner Eltern in einer frühen Ehe dann nachzuleben. Ich denke, ich habe hier große Fortschritte gemacht.

Deshalb beginne ich mich zu Fragen was eigentlich der Sinn meines Lebens ist und worin dann mein Glück liegt. Denn nach meiner bisherigen Vorstellung wäre ich erst glücklich, wenn ich viel Geld verdiene, eine gutaussehende Frau und ein Haus und Kinder habe.

Ich denke aber heute, dass es das nicht sein kann. Zu schnell hat man seinen Job verloren, die Frau geht fremd, das Kind stirbt. Ich glaube, dass man sein Glück jeden Tag in seinem Alltag finden können muss. In der Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen. Denn diese Dinge wird man immer haben, ob man arm ist, krank ist oder sonst was ist. Ich habe nichts davon, wenn ich mein Glück nur in der fernen Zukunft erreichen kann und folglich bis dahin nicht glücklich sein kann.

Vor dem Hintergrund einer solchen Lebenseinstellung sollte ich auch eher ein kleiner Anwalt für alles werden als der Fachanwalt, der mehr Geld verdient, dafür aber einen beschisseneren Job hat.

Jetzt gilt es erstmal das Examen zu schreiben. Ich sge zwar immer, ich stehe vor einem tiefem Abgrund und drohe ständig das Gleichgewicht zu verlieren und runter zu fallen (also in Panik und Untergangsfantasien auszubrechen, aber die Wahrheit ist, dass der Abgrund nur 1,20 Meter tief ist, denn sollte alles schief laufen habe ich immer noch einen zweiten Examensversuch, für den ich mich nochmal zusätzlich 5 Monate vorbereiten kann.

Ich überlege immer, ob Aufregung und Angst jetzt noch einen Sinn haben und ich denke nicht. Ich sehe ihn aber nicht. Ich könnte dann nur nicht nicht schlafen und nicht gescheit essen. Und das bisschen mehr, dass ich dann jetzt aus Angst noch lernen würde, würde das nicht aufwiegen.

Das einzige Problem, dass ich noch habe, ist die Angst davor meine Muskelmasse zu verlieren. Wer bin ich denn ohne Muskeln? Würde mein Leben anders verlaufen? Nein, ich denke nicht.

Ich habe Angst davor in einen Zustand aus meiner frühen Schulzeit zurückzuverfallen. In dem ich wehrlos wahr und mich nicht männlich gefühlt habe. Aber in diesen kann ich heute gar nicht mehr zurückfallen. Ich will doch auch nicht nur wegen meinem Körper geliebt werden. Denn ist es so, drohe ich ja auch ständig diese Liebe wieder zu verlieren. Und 95 % aller Männer haben keinen besonderen Körper.

Charakter und Persönlichkeit, der Umgang mit anderen, dass sollte der Grund sein, warum man geliebt wird. Das wird man auch niemals verlieren.

Was noch wichtig ist für das Examen ist, dass ich mir immer wieder in Erinnerung rufe, dass es die perfekte Klausur gar nicht geben kann und auch in der Realität Perfektion nicht geben kann, denn jeder definiert sie für sich anders und somit ist Perfektion ein unerreichbarer Zustand und dem hinterherzueifern sinnlos. Vielmehr hält der Drang nach Perfektion einen davon ab gut zu sein.Kein mensch kann perfekt sein. Jeder kann nur so viel geben, wie er geben kann.

Stay cool and don’t try to be perfect!

Heute hat mir mein Vater gedankt, dass ich seinen Platz eingenommen habe all die Jahre und mir gesagt, es tut ihm leid, dass ich ihn solange einnehmen musste. Ich muss ihn jetzt nicht mehr einnehmen.

Der einzigen Erwartung der ich jetzt noch gegenüber stehe, ist einen angesehenen Beruf zu haben, und das werde ich ja aller Voraussicht nach haben. Ich muss nicht das Gegenbild von meinem Opa sein, sondern kann ich selbst sein.

Ich trage jetzt nicht mehr die Verantwortung, die ich in der Postion meines Vaters jahrelang getragen habe oder tragen musste. Ich muss nicht mehr der perfekte Ehemann für meine Mutter sein. Ich kann jetzt ich selbst sein und mein Leben leben.

Der Vorhang wurde geschlossen.