Archiv nach Monaten: November 2008

Mein Ziel ist es innerlich ausgeglichen zu sein und Zufriedenheit mit mir zu erreichen. Diese emotionale Zielsetzung glaube ich aber nur zu erreichen, wenn ich es schaffe, meine Idealvorstellungen zu verwirklichen. Dabei kann ich dieses Ziel gerade nur erreichen, wenn ich es schaffe, mich von diesen idealvorstellungen zu verabschieden.

Ich muss mir klar machen, dass es mein perfektes Ich nicht gibt. Genauso wenig gibt es aber auch das Versager-Ich. Also das Ich, das nicht geliebt wird, versagt hat, nichts wert ist.

Mich jetzt mit Frauen zu beschäftigen und erst recht eine Beziehung würde mich jetzt nur emotional belasten und vom Lernen abhalten. Denn wenn ich jetzt in einer Beziehung wäre, stände ich permanent unter dem Druck beweisen zu müssen, dass ich perfekt bin oder es wert bin geliebt zu werden. Ich müsste vor diesem Hintergrund permanent die Angst haben augenblicklich verlassen zu werden, sobald ich mal keine perfekte Leistung abliefere.

Hinter all meinen Problemen und Ängsten steht ja eigentlich die Angst Verlassen zu werden – die Angst vor Liebesverlust.

Da dies aus der Beziehung zu meiner Mutter herrührt, könnte man genauer sagen, dass hinter allem eigentlich die Angst steht, dass meine Mutter mich nicht mehr liebt, wenn ich nicht die Ideale (des perfekten Ehemannes) erfülle, die meine Mutter mir in meiner Jugend immer wieder vermittelt hat.

Ich denke, in den Augen einer anderen Frau versagt zu haben, da ich es nicht geschafft habe, der perfekte Mann zu sein. Tatsächlich ist es für mich in diesen Momenten aber gar nicht mal ein Versagen der Frau gegenüber, sondern eher ein Versagen meiner Mutter gegenüber. – In dem Moment, habe ich natürlich einmaldie Angst von der bestimmten Frau verlassen zu werden – tatsächlich steckt dahinter aber ja der Gedanke in den Augen meiner Mutter versagt zu haben und von dieser somit nicht mehr geliebt zu werden.

Dabei ist es ja eigentlich so, dass meine Mutter mich so liebt, wie ich bin und gar nicht den Anspruch an mich hat, den ich mir immer vorgestellt habe.

Ich habe in den Augen meiner Mutter immer das dargestellt, was mein Vater nicht war. Heute, da sich meine Eltern wieder lieben, kann man jedoch sehen, dass mein Vater jetzt immer noch nicht der perfekte Ehemann ist, den sich jede Frau eigentlich wünschen würde bzw. den sich speziell meine Mutter gewünscht hat.

Daraus kann ich erkennen, dass der Anspruch an den idealen Ehemann, den ich mir immer vorstelle, real auch von meiner Mutter gar nciht verlangt wird – im Prinzip ja auch nicht verlangt werden kann, da es unmöglich zu erfüllen ist.

Hinter allem was ich tue steckt die Angst verlassen zu werden, die Angst vor Trennung, die Drohung verlassen zu werden.

Dahinter steckt ja, dass es für mich ein Versagen ist, wenn ich verlassen werde oder wenn ich selbst eine Frau verlassen sollte. Denn es bedeutet, dass ich die Ansprüche, die meine Mutter an mich hat, nicht erfüllen kann. Also den Anspruch alles in einer Beziehung für die Beziehung zu tun und bis zum letzten um die Beziehung zu kämpfen, im Ergebnis eben der perfekte Partner zu sein, der alles für seine Frau macht.

Indem Moment in dem ich diese Anforderungen nicht erfülle, habe ich das Gefühl, dass auch meine Mutter sich von mir abwendet, da ich in ihren Augen versagt habe bzw. nicht besser bin als mein Vater.

Dieses Szenario erlebe ich in jeder Beziehung, die sich zwischen mir und einer Frau auch nur andeutungsweise anbahnen könnte, wieder.

In Bezug auf meine aktuelle Situation ist es deshalb jetzt wichtig für mich, mich auf mich zu konzentrieren und auf meine Bedürfnisse und mich nicht immer daran zu orientieren, dass ich bloß alles so mache, dass ich in den Augen möglicher Partnerinnen möglichst den Ansprüchen, die mir meine Mutter eingepflanzt hat, genüge.

Deshalb sollte ich es im Moment lassen, nach einer Freundin zu suchen. Denn auch in einem halben Jahr, wenn die Lernerei für das Examen endlich ein Ende hat, wird es noch Frauen geben, die Interesse an mir haben, genauso wie es jetzt der Fall ist.

Das schließt natürlich nicht aus, dass ich Frauen kennenlernen kann. Aber über einen schönen Abend hinaus habe ich im Moment keine Zeit. Ich muss zu ihenn sagen: „Gib mir deine Telefonnummer. In einem halben Jahr melde ich mich dann mal wieder bei dir.

Gegenüber Frauen hemme ich mich selber.

Ich glaube, ich müsste einer Frau gegenüber, die ich ansprechen will, gleich von Anfang an, alles perfekt machen. Einfach um von vornherein das Bild eines idealen Partners zu erfüllen.

Dahinter steht natürlich der Anspruch, dass ich eigentlich ja auf der Suche nach der Liebe meines Lebens bin. Jede Frau die ich anspreche also eine potentielle Ehefrau ist. Das ist Auswirkung der Illusion, dass ich jetzt die Frau meiner Träume kennenlernen muss, und die Ehe meiner Eltern nachleben will.

Das hemmt mich dann natürlich in doppelter Weise. Einmal, weil ich mir dann oft unsicher bin, ob die Frau, die ich ansprechen will, überhaupt meine Traumfrau sein kann. Und zweitens, weil ich dann wenn ich mich dafür entscheide, dass das möglicherweise sein könnte, ich eben von Anfang an der Traumtyp sein möchte, der selbstbewusst, gewusst wie, eine Frau anspricht.

Deshalb muss ich mich von meiner Zukunftsillusion befreien und gerade in Bezug auf Frauen immer von Tag zu Tag denken. Und nie darüber nachdenken, was in der Zukunft passieren könnte.

Das Problem ist, dass ich immer denke Erwartungen erfüllen zu müssen. Erwartungen, die ich an mich habe, und von denen ich ausgehe, dass auch andere sie an mich haben.

Das hemmt mich und macht mich unsicher. Denn zunächst sind das ja oft überhöhte, nicht erfüllbare, aber realistisch auch gar nicht geforderte Erwartungen, die meiner perfektionistischen Seite entspringen.

Zum anderen meine ich aber auch immer die Erwartungen von ALLEN erfüllen zu müssen. Dabei ist das realistisch nur unter großer Selbstaufopferung möglich.

Das dahinterstehende Denkmuster ist fast kindlich-illusionär, denn die Schlussforlgerung, die ich für mich ziehe, lautet: Wenn ich alle Erwartungen erfülle und das auch noch unter Selbstaufopferung, dann macht mich das zu einem guten, liebenswerten Menschen. Die (lediglich innere) Schlussfolgerung daraus ist, dass ich nicht liebenswert bin, wenn ich Erwartungen nicht erfülle.

Ich habe von klein auf gelernt, dass es gut ist, wenn ich verantwortlich handle, mich selbst zurücknehme, rücksichtsvoll bin. Sobald ich das nicht mehr bin, bin ich schlecht, nicht liebenswert und somit nichts wert.

Deshalb muss ich lernen  mehr auf mich selbst zu achten und nicht nur immer die Erwartungen anderer erfüllen zu wollen. Ich muss lernen zu sagen: „Sei mir nicht böse, aber…“

Klar ist auch, dass es einfach nicht realistisch ist und eher ein „kindlich-magischer“ Gedanke, dass man es schaffen könnte, es allen recht zu machen, obwohl das realitisch nicht möglich ist.

Ich muss lernen auch damit umzugehen, dass andere auf mich sauer sind. Und ich mir gleichzeitig klar machen, dass es normal ist, dass man nicht immer die Erwartungen aller erfüllen kann.

Entscheidend ist der Gedanke, was passiert denn tatsächlich, wenn ich eine bestimmte Erwartung nicht erfülle. Nichts. Die einzige Konsequenz ist, dass ich von mir selbst enttäuscht bin, was aber oft noch nicht mal heißt, dass es andere überhaupt sind.