Archiv nach Monaten: September 2008

Ich setze mich sehr unter Druck und verlange von mir Unmögliches. Ich glaube, dass nur weil ich weiß, was meine Probleme sind, ich daraus sofort die Konsequenzen ziehen kann.

Wenn ich in bestimmten Situationen merke, warum ich traurig werde oder warum ich bestimmte Sachen denke, dann ist es eben nicht so einfach von dieser objektiven Sicht aus, die eigene Sicht und die eigenen Gefühle zu ändern.

Es ist falsch zu glauben, dass ich es nie schaffen werde, meine Denkmuster zu verändern. Denn dies nach Jahren zu tun, ist ein schwere und langwieriger Prozess.

Ich sollte mir zuschreiben, dass ich an meinen Problemen arbeite. Etwas, was 99 % der Bevölkerung nicht tun. Ich habe jetzt auch schonmal im ersten Schritt erkannt welche Probleme ich habe, welche Verhaltensmuster mich antreiben. Doch die Umsetzung dieser Erkenntnis ist ein langer und harter Prozess.

Und auch wenn er für mich eine schwierige Zeit darstellt, so arbeite ich an meinen Problemen und werde sie letztendlich, wenn auch in einem langwierigen Prozess, überwinden.

Bessere Zeiten werden kommen. Denn demselben Brunnen, der mit Tränen gefüllt ist, wird ein Lachen entsteigen. Gerade das, was uns leiden lässt, schenkt uns häufig auch Freude.

Die Frage ist doch, wieso ich die Frage nach meinem Wert als Partner von der Frage meines Einkommens abhängig mache. Wieso neigen wir heutzutage so sehr dazu uns über unsere Leistungen zu definieren? Uns zeichnen so viele andere Merkmale aus.

Klar wollen Frauen möglichst einen Mann mit hohem Einkommen. Aber gerade moderne, selbstbestimmte Frauen, die selbst studieren, wollen ja später gerade selbst Geld verdienen. Welche Frau geht heutzutage noch davon aus, dass sie ihr Leben lang Hausfrau ist.

Der Hauptfehler, den ich mache, ist aber immer noch mich über die Rolle als möglichst guter Ehemann zu definieren. Und damit zusammenhängend davon auszugehen, dass ich so viel Geld, wie nur möglich verdienen sollte.

Ich muss lernen mich über etwas anderes zu definieren. Und den SInn meines Lebens, mein Lebensglück aus anderen Dingen als einer Beziehung zu ziehen. Die kann das i-Tüpfelchen auf dem i sein, sollte es aber nicht alleine darstellen.

Das wichtigste für mich ist mir zu sagen:

„Was zählt jetzt für mich?“

„Was ist jetzt, in diesem Moment, aktuell wichtig?“ Alles andere kann warten!

Was in der Zukunft passieren wird, was mit IHR passieren wird, was für eine Note ich schreiben werde, muss mir dabei egal sein. Ich muss Schritt für Schritt denken! Mit diesen Fragen muss ich mich jetzt aktuell nicht beschäftigen. Das hat Zeit bis Dienstag vorbei ist.

Was mich in Bezug auf SIE am meisten belastet ist ja die Angst vor Ablehnung. Denn obwohl ich objektiv keinen Anlass habe (es bedeutet für sie ja auch eine riesige Selbstaufwertung mit mir, dem wesentlich Älteren zusammen zu sein), davon auszugehen, dass sie mich ablehnen wird, habe ich genau davor Angst.

Das beruht aber auf meiner Hauptangst, der Grundangst, die ich mit mir rumtrage. Der Angst als Partner abgelehnt zu werden. Dabei mache ich natürlich den Fehler, wie ich schon festgestellt habe, eine Ablehnung als persönliche Bewertung zu sehen. Dabei gibt es soviele psychologische und physische Gründe, warum man mit jemandem zusammen sein will oder nicht. Eine Schlussfolgerung für den eigenen Wert lässt sich daraus überhaupt nicht ziehen.

Der perfekte Partner, der ich gerne wäre, kann ich nicht sein. Ich bin aber auch nicht im Umkerhschluss das Gegenteil. Der Versager, der nicht geliebt wird.

Denn gerade in der Konstellation, in der ich eine wesentlich jüngere Freundin habe, die zu mir aufschaut, stehe ich natürlich auch unter besonderem Druck, dieses Bild des erfolgreichen, strebsamen Studenten auch zu erfüllen. Darüber muss ich mir im klaren sein!

Gleich ist es soweit. Dann habe ich ein Date mit ihr. Und was treibt mich? Die Angst vor Ablehnung. Hintergrund ist immer wieder der Gedanke oder die Vorstellung, dass ich für keine Frau gut genug sein könnte. Oder ein richtiger Mann sein könnte. Das Problem ist dabei, dass ich mich nur darüber definiere. So sitze ich in der Bibliothek und schaue ganz gespannt immer mal wieder alle Frauen an, um auch bloß nicht zu verpassen, wenn eine mich anschaut. Ich habe die ganze Zeit den Stress, dass ich nicht verstehen kann, warum eine Frau sich nicht für mich interessiert. Aus meinem Selbstverständnis heraus müsste sich nämlich jede Frau für mich interessieren. Man muss sich mal überlegen, wie schwachsinnig das ist. Wie abgehoben und fern jeder Realität. Aber das ist die Welt in der ich mich bewege. Und ständig habe ich den Stress beachtet werden zu wollen und Unverständnis dafür, wenn ich nicht beachtet werde.

Und so ist es jetzt auch bei ihr. Würde sie, die wesentlich jüngere, mich tollen perfekten Typen ablehnen, würde für mich eine Welt zusammenbrechen. Dabei ist edas ja falsch. Sie hat ja eher kein Interesse an mir, weil wir objetiv aufgrund unserer Gesichtsproportionen nicht ähnlich genug sind, ich nicht die Gesichtsproportionen ihres Vaters habe, oder wir uns nicht „riechen“ können. Vielleicht passen wir auch nicht zusammen, weil der Reife- oder Altersunterschied zu groß ist.

Auf jeden Fall hat diese Ablehnung mit mir als Mensch nichts zu tun. Ich bin ein äußerst fürsorglicher, hilfsbereiter, liebevoller, netter, lustiger, zuvorkommender Typ, der auch einen ganz schönen Körper hat, gepflegt ist, nicht hässlich ist, intelligent, gute Berufsaussichten hat. Es gibt viele potentielle Partnerinnen für mich. Es muss nicht die eine sein.

Und selbst wenn ich heute viele Fehler machen sollte oder Falsches sagen, so kann ich daraus viel lernen und Erfahrungen sammeln. Ein schlechter Mensch bin ich deswegen nicht. Ein schlechter potentieller Partner auch nicht. Und der Idealpartner, der ich gerne wäre, kann ich realistisch niemals sein. Davon muss ich mich verabschieden. Jeder Mensch hat Schwächen. Diese machen uns menschlich.