Mir geht es nicht gut. Ich bin sehr traurig. Traurig, weil ich befürchte, dass sie mich nichts von mir wird.
Ich frage mich dann, was falsch ist an mir, ob ich falsch bin, ob ich kein richtiger Mann bin, nicht Mann genug bin oder warum ich kein guter potentieller Freund bin.
Ich habe im Moment das Gefühl, dass alle Frauen nichts von mir wollen, weil ich nicht Mann genug bin, nicht attraktiv genug, irgendwas mit mir nicht stimmt.
Im Ergebnis fühle ich mich wertlos. Ich meine das Problem ist ja, dass ich bisher keinen anderen Weg gefunden habe, um mich, mein Selbst zu definieren als über die Rolle in einer Beziehung. Ich will ein perfekter Freund sein, ein perfekter Vater und dafür eine nach meinen Massstäben perfekte Frau haben. Interessanterweise kommt es mir dabei nur auf das Aussehen an, zumindest vorrangig. Wie ich bei meiner letzten Freundin gemerkt habe, ist Aussehen auch nicht alles.
Ich bin die letzten Tage in eine Rolle gerutscht. Ich habe das gemerkt. Ich habe mich von der Realität entfernt. Ich habe so langsam das selbe Gefühl, dass ich hatte, als ich mit meiner letzten Freundin zusammen war. Im Nachhinein kommt mir diese Zeit geradezu unwirklich vor. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, ich habe mich aus der Realität ausgeklinkt und nur noch für die Beziehung gelebt. Und ich merke, wie ich momentan wieder aus der Realität abdrifte und mich nur noch in dieser Rolle sehe, die ich ausfühle. Und ich möchte das nicht. Denn es ist ein Muster, dass mich im Endeffekt nur immer wieder runterziehen und in eine Depression stürzen wird.
Ich weiß auch nicht, warum ich mich jetzt so in diese Beziehungssache hineinsteigere. Wie ich ja bereits festgestellt habe, erfühlt das bei mir eine stark kompensatorische Funktion. Aber gerade das kommt mir im Moment nicht richtig vor, denn ich glaube nichts zu kompensieren zu haben. Ok, vielleicht ist es die wachsende Angst davor bei der Examensklausur zu versagen, die ich auf diese Weise verdrängen kann und nicht wahrnehmen muss. Aber eigentlich sollte diese Angst auch nicht so groß sein, dass ich sie kompensieren muss. Denn im Moment habe ich immerhin noch das Gefühl, dass ich mit dem Lernen gut vorankomme und im Plan liege. Trotzdem darf ich sicherlich nicht die Bedeutung unterschätzen, die das auf mich hat, denn es ist der finale Punkt, an dem sich zeigt, ob ich so gut bin, wie ich gerne wäre. Denn es wäre eine Katastrophe, wenn ich der Welt sagen müsste, dass ich nur ein schlechte Note geschrieben hätte.
Aber vielleicht ist es einfach auch die Sinnlosigkeit, die ich in meinem Leben sehe, denn ohne eine Freundin weiß ich nicht wofür ich lebe. Eines weiß ich aber; und zwar das ich sicher nicht für mich lebe. Dabei ist es das, was ich tun sollte.
Es hat aber auch besonders den Narzissten in mir gestärkt, dass dieses junge hübsche Mädel sich für mich interessiert, mir Komplimente macht, aufgeregt ist, mich zu sehen. Um dann das Interesse an mir zu verlieren.
Das dramatisch ist für mich, glaube ich, dass sie mich jetzt schon ein kleines bisschen kennengelernt hat und weil sie schon Interesse an mir gezeigt hat. Deswegen wäre eine Ablehnung jetzt um so schlimmer für mich. Denn sonst hätte ich mir immer sagen können: Ja, die weiß nicht, was sie verpasst. Ich meine, klar, objektiv müsste man sagen, dass sie mich jetzt auch noch nicht kennt. Wir haben bisher insgesamt vielleicht 30 Minuten miteinander geredet. Wie soll man einen Menschen innerhalb so kurzer Zeit richtig kennenlernen. Andererseits kann man viele Schlüße ja schon nach Sekunden ziehen. Das macht es eben so dramatsich für mich.
Trotzdem würde eine Ablehnung eigentlich nichts über mich aussagen. Es kann ja zB einfach nur sein, dass sie den Altersunterschied zu groß findet, womit sie vielleicht ja auch Recht hat oder sie doch eher auf ihre Landsleute stehtoder eher ein Arschloch als Freund will. Manche Frauen finden das ja toll.
Heute war es zum Beispiel auch unerträglich für mich in so einem weiten langärmeligen Shirt rumzulaufen. In diesen Shirts sieht man immer nicht, wie muskulös jemand ist. Aber wenn ich durch sie abgelehnt werde und dann noch nicht mal meine Muskeln zeigen kann, fühle ich mich erst Recht als wertloses nicht beachteter Mensch. Das Problem ist vielleicht einfach, dass ich in meinem Kopf immer der Vorstellung unterliege, dass ich etwas besonderes wäre, jemand der aus der Masse heraussticht. Aber gerade das zeichnet ja einen Narzissten aus.
Auch wenn ich nur durchschnittlich bin, so bin ich trotzdem etwas besonderes, etwas liebenswertes.