Archiv nach Monaten: Juni 2008

Das Ideal-Bild zu erreichen, das ich von mir habe, gibt mir Sicherheit. Alles andere macht mir Angst. Deshalb muss ich lernen, dass ich diese Sicherheit auch anders erreichen kann.

Ich habe vor vielen Situationen Angst, weil ich die Ansprüche, die ich an mich stelle, in andere projeziere. Ich denke, dass andere von mir das erwarten, was ich selbst von mir erwarte. Da das aber immer eine nicht erfüllbare Idealvorstellung ist, habe ich die große Angst, deshalb von anderen abgelehnt oder herabgewertet zu werden.

Um mit meinen Problemen klarzukommen ist eines wichtig. Ich muss mir meiner Rollen bewusst werden, die mein Verhalten bestimmen, mich zum Handeln motivieren. Denn nur, wenn ich mir immer dieser Rollen bewusst bin, kann ich im Kopf auch dagegen steuern und mich so langsam von diesen Rollen lösen und einfach nur ich sein.

~

Der Verantwortungsvolle

Schon seit kleinster Kindheit hat mich meine Mutter zu verantwortungsvollem Umgang in besonderem Masse erzogen.

Klar ist normal für den ältesten von drei Geschwistern und dazu einzigen Jungen, dass er immer gesagt bekommt, er solle auf seine Schwestern aufpassen, ihnen immer hier und immer da helfen. Aber auf welche Art auch immer - meine Mutter hat uns zu äußerst verantwortungsvollen Menschen erzogen. So ist unsere Familie schon immer ein äußerst seltenes Beispiel dafür gewesen, wie friedvoll Geschwister miteinander sein können. Normal war eigentlich etwas anderes.

Dieser Hang dazu Verantwortung für andere zu übernehmen und ihnen helfen zu wollen wurde aber erst dadurch tief in mir verwurzelt, dass ich meine Mutter habe leiden sehen und gleichzeitig auch meine Schwestern. Ich wollte allen dreien helfen und habe mich um sie gekümmert. Ich wusste, ich musste stark sein und mich darum kümmern, dass sie es schaffen mit der Situation umzugehen.

Auch heute merke ich immer noch, wie schnell ich dazu tendiere anderen mit ihren Problemen zu helfen. Ich übernehme sozusagen die Verantwortung dafür, dass es ihnen bald beser geht. Um das zu erreichen beschäftige ich mich dann intensiv mit ihren Problemen. So habe ich es zum Beispiel auch bei allen meinen beiden Exfreundinnen gemacht.

Der kleine verantwortungsvolle Junge, wollte seiner Mutter helfen. Dafür hat er alles getan und beschlossen alles zu tun.

~

Der ängstliche kleine Junge

Am meisten belastet mich der ängstliche kleine Junge in mir. In seiner frühen Jugend hatte er Probleme seine Identität zu finden. Er war verwirrt, er wollte aber auch nicht zu den Außenseitern gehören oder ein Freak sein. Er hatte das Gefühl, dass er das war. Dann wurde er wegen seiner etwas später einsetzenden körperlichen Entwicklung gehänselt, was ihn stark verletzt hat.

Am prägendsten war für ihn allerdings das Gefühl der Machtlosigkeit, Hilflosigkeit und Ungerechtigkeit. Er musste dabei zusehen, wie seine Mutter und seine Geschwister unter der Einsichtslosigkeit und Gefühlskälte seines Vaters leideten. Er war zutiefst betroffen von dem innerlichen Wunsch seiner Familie helfen zu können.

Er beschloss das Gegenteil von seinem Vater zu werden, damit er den Menschen in seiner Umgebung niemals das gleiche Leid zufügen würde. Gestärkt wurde er darin von seiner Mutter, die ihn immer dazu erzogen hat, genau das nicht zu tun, was sein Vater alles falsch machte. Der kleine Junge sollte eines Tages der perfekte Mann werden. So fasste der Junge das auf und auch die Mutter ermunterte ihn immer weiter dazu.

Der kleine Junge beschloss, dass es irgendwann Gerechtigkeit geben müsse. Er wollte, dass es in seinem Leben nie wieder zu solchen Ungerechtigkeiten kommt und deshalb wollte er der perfekte Mann werden. Ein Mann mit Super-Job, Traumkörper und der alles für seine Frau tut.

~

Der Narzisst

Auf der Suche nach meiner Identität und dem Drang anders zu werden als sein Vater, kam der Junge in mir zu der Überzeugung, dass er alles für seine Frau tun würde, wenn er sie so leiden sieht. Er war der Überzeugung er könnte alles besser machen als sein Vater.

Gleichzeitig wollte er es allen Leuten zeigen, die ihm gegenüber ungerecht waren und die ihn herabgewertet hatten. Und so wuchs in ihm die Überzeugung, dass alles zu schaffen. Dieser perfekte Mann zu werden und das auch nach außen allen zu zeigen.

Es war auch ein Schutzmechanismus, dass sich der kleine Junge darüber definiert hat, besser zu sein als sein Vater. Er hatte zu dieser Zeit nichts anderes, worüber er sich definieren sollte.

Auch heute noch versucht der Junge in mir dieser perfekte Mann zu sein und er denkt auch heute noch, dass er dies sein kann. Dies hat aber zur Folge, dass er eine Riesenangst davor hat, zu Versagen. Also nicht perfekt zu sein.