Archiv nach Monaten: April 2008

Ich sollte darauf achten, einfach nur ich selbst zu sein.

Ich bin den ganzen Tag über immer nur damit beschäftigt, wer ich sein möchte. Ich überlege mir, was ich anziehe, mit dem Hintergedanken, ob ich damit auch so wahrgenommen werde, wie ich gerne wahrgenommen werden möchte.

So habe ich den ganzen Tag den Stress, dass ich versuche von den einen so wahrgenommen zu werden und von den anderen so. Dabei ist das Schwachsinn und einfach nur permanenter Stress.

Ich sollte einfach nur ich selbst sein. Und nicht jemand, der ich gar nicht sein kann oder gerne wäre.

Wenn ich mir eine Freundin wünsche, dann der Vorstellung nach, dass diese Freundin meine potentielle Traumfrau ist und ich sie vielleicht heirate. Und seien wir mal ehrlich, woher soll man sowas schon vor Beginn einer Beziehung wissen. Sowas müsste sich sowieso erst entwickeln und wachsen. Aufgrund dieses selektiven Verhaltens habe ich viele mögliche Beziehungen gar nicht erst angefangen.

Wichtig ist, dass ich auch mal eine Beziehung anfange, selbst wenn ich weiß, dass es keine langfristige Beziehung werden kann. Ich sollte eine Beziehung nur anfangen, um Spaß zu haben!

Ich unterliege der fehlerhaften Vorstellung, dass mein Leben mit dem Examen vorbei wäre und ich danach noch direkt anfangen müsste zu arbeiten.

Dem liegt der Irrglaube zugrunde, dass mein Leben nur auf die Rolle des perfekten Ehemanns zugeschnitten ist. Demnach müsste ich jetzt meine zukünftige Frau kennenlernen und das Examen machen, um direkt im Anschluss zu arbeiten, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Natürlich hätte ich so keinen Spaß mehr in meinem Leben.

Aber ich muss mir klarmachen, dass mein Leben nach dem 1. Staatsexamen noch lange nicht vorbei ist. Nach dem 1. Staatsexamen habe ich unter Umständen noch mehrere Monate zeit bis zum Beginn des Referendariats, in denen ich zB ins Ausland gehen kann. Und auch nach dem 2. Staatsexamen kann ich im Ausland noch gehen, um zb noch ein Magister in ausländischem recht zu machen. Und auch danach bin ich noch jung und kann das Leben genießen.

Live life the fun way!

Ich bin ein Narzisst. So viel steht fest. Ein Narzisst ist nach allgemeiner Vorstellung jemand, der in sich selbst verliebt ist. Doch trifft das auf mich zu?

Ich bin nicht in mich selbst verliebt. Zumindest zeige ich das in meinem Verhalten nach außen hin nicht. Es gibt zwei Arten von Narzissten. Die nach außen gerichteten Narzissten belästigen ihre Umwelt, indem sie nach außen ständig ihre Selbstverliebtheit ausstrahlen und Äußerungen von sich geben, dass sie sich selbst für perfekt halten. Dann gibt es die nach innen gerichteten Narzissten, wie mich, die nach innen mit ihrem Selbstbild kämpfen und nach außen nicht ihre innere Überzeugung widerspiegeln.

Ich bin insofern Narzisst, als ich überzeugt bin, dass ich perfekt sein kann. Ich stellte mich in Gedanken so über andere, indem ich mich im Kopf mit ihnen vergleiche und immer zu dem Ergebnis komme, ich könnte besser sein.

Aber diese inner Überzeugung hat auch eine Kehrseite (die auch Narzissmus-typisch ist). Es ist die Angst vor dem Absturz. Denn ich, der nach außen hin als perfekt auftreten möchte, habe Angst davor, eben in den Augen anderer nicht perfekt zu sein, was für mich nämlich bedeuten würde, nichts wert zu sein. Ich definiere mich über die, in meinen Augen bestehende bzw. mögliche Perfektion. Diese im Endeffekt dann nicht zu erreichen, bedeutet für mich nichts wert zu sein. Denn in meinen Augen bin ich somit minderwertig.

Daraus entsteht dann natürlich die Situation, dass ich riesige Angst bekomme, etwas nicht perfekt zu machen und somit in meinen Augen und auch (aus meiner Sicht) in den Augen anderer zu versagen. Damit erklärt sich meine Angst meinen Seminarvortrag zu halten oder mich im Kurs/unterricht mal zu melden. Denn wenn ich etwas sage, dürfte es auf keinen Fall falsch sein. Denn dann würde ich meine nach außen hin aufgebaute Perfektion verlieren.

Ich denke, dass daher auch meine Vorstellung kommt, nur dann die Frau fürs Leben gefunden zu haben, wenn es eine absolute Traumfrau ist. Denn meiner Vorstellung nach müsste ich der absolute Traummann sein, deshalb wäre mir auch nur eine absolute Traumfrau angemessen. Solange ich die aber nicht als Freundin habe, ist das für mich irgendwie auch der Beweis, dass ich eben auch nicht der absolut perfekte Traummann bin. Mit dem Zweifel, die angestrebte Perfektion nicht erreichen zu können, was mich wertlos machen würde, verzweifel ich auch gleichzeitig an dem Wunsch eines Tages eine absolute Traumfrau als Freundin zu haben. Denn im Endeffekt werde ich es niemals schaffen, die Vorgaben zu erreichen, die ich an mich selbst stelle. Aber das einzusehen fällt mir schwer und so passiert es doch oft, dass ich glaube, dass doch schaffen zu können. In diesen Momenten geht es mir immer richtig gut.

Das ist zum Beispiel auch der Grund, warum ich mich oft so gerne schick anziehe. Denn wenn ich dann auf die Straße gehe, präsentiere ich nach außen das Bild des perfekten Typens, der megaerfolgreich, sexy, klug und überhaupt der tollste Typ der Welt ist. Und dementsprechend trete ich dann auch nach außen auf. Also nicht selbstherrlich oder arrogant. Das vielleicht nur im Inneren. Sondern ich strahle ein absolut selbstüberzeugtes sicheres Auftreten und Selbstbewußtsein aus, was natürlich im krassen Gegensatz zu meinem wahren inneren Gemütszustand steht. Denn in meinem Inneren kämpfe ich immer damit, mir einzugestehen, dass ich eben wie niemand anderes auch, eben nicht die hohen Anforderungen erfüllen kann, von denen ich whanhaft überzeugt bin, sie doch erfüllen zu können.

Es ist einfach wichtig, dass ich so eine Art Über-Ich schaffe und mit meiner narzisstiscen Seite in Kontakt trete, um mir immer wieder darüber klar zu werden, weshalb ich wie handel und mich fühle.

Ich bin ein kompensatorischer Narzisst, der mit grandiosem Selbst erscheint, dem aber Selbstzweifel, Minderwertigkeits- und Schamgefühle zugrunde liegen.

Die Gründe für diesen Narzissmus liegen wie alle meine Probleme und Persönlichkeitsstrukturen der Ehekrise meiner Eltern zugrunde und der Selbsterhöhung, die ich im Kopf gegenüber meinem Vater betrieben habe.