Stimmungsschwankungen

Veröffentlicht in thoughts bei Juli 17, 2008 von lovestruckfool

Entweder ich laufe durch die Welt, hüpfend, springend und gehe offen auf Menschen zu, mache Scherze hier und da und fühle mich gut. Oder ich bin bin ruhig, in mich gekehrt, traurig, verhalte mich anderen gegenüber schüchtern und rede wenig.

Immer dann, wenn ich das Gefühl habe, dem perfekten Idealbild, das ich von mir habe, nahe zu kommen oder denke, dass ich es erreichen kann bzw. erreicht habe, geht es mir super, ja bin ich nahezu euphorisch. Aber immer, wenn ich das Gefühl habe, von diesem Idealbild entfernt zu sein und es nicht erreichen zu können, bin ich schlecht drauf.

Ich muss lernen zu sehen, dass es kein Versagen bedeutet, diese idealistischen Ziele, die ich habe, nicht zu erreichen, denn sie dind irreal und eben gerade nicht erreichbar. Zumindest für einen normalen Menschen. Ich muss lernen zu sehen, dass es ok ist, so wie ich bin. Dass ich eben kein Übermensch bin und nur das erreichen kann, was ich eben erreichen kann.

Entscheidend ist doch, dass man das gibt, was man geben kann. Dann kann man auch mit sich zufrieden sein, unabhängig davon, wie weit einen das gebracht hat.

Und gleichzeitig ist es auch immer wichtig, sich das Bildnis vom Fußballspieler vor Augen zu halten. Selbst die besten Fußballspieler haben Phasen, in denen ihnen nichts gelingt, in denen sie einfach keine Tore schießen. In anderen Zeiten wiederum, scheint es, als gelänge ihnen einfach alles und sie schießen Tor um Tor. Genauso gibt es Tage, an denen man sich nicht so gut zur Arbeit motivieren kann, an denen man unkonzentriert und müde ist.

Das Streben danach, in etwas möglichst gut zu sein, ist normal. Nur muss man sich klar machen, dass es kein Versagen bedeutet, wenn man seine gesteckten Ziele nicht erreicht. Erst recht dann, wenn man sie für sich unerreichbar hoch steckt. Denn tut man das, gibt man schnell auf, weil man eben frustriert ist und für sich nicht mehr die Möglichkeit sieht, die eigenen Ziele zu erreichen. Setzt man sich im Gegensatz dazu kein Ziel oder ein realistisch erreichbares, passiert es eher, dass man über dieses Ziel vielleicht noch hinauskommt.

Ich muss mir klar machen, dass ich mich momentan nur auf ein Ziele konzentrieren sollte.

Ängste

Veröffentlicht in thoughts bei Juni 26, 2008 von lovestruckfool

Das Ideal-Bild zu erreichen, das ich von mir habe, gibt mir Sicherheit. Alles andere macht mir Angst. Deshalb muss ich lernen, dass ich diese Sicherheit auch anders erreichen kann.

Ich habe vor vielen Situationen Angst, weil ich die Ansprüche, die ich an mich stelle, in andere projeziere. Ich denke, dass andere von mir das erwarten, was ich selbst von mir erwarte. Da das aber immer eine nicht erfüllbare Idealvorstellung ist, habe ich die große Angst, deshalb von anderen abgelehnt oder herabgewertet zu werden.

Meine Rollen

Veröffentlicht in thoughts bei Juni 3, 2008 von lovestruckfool

Um mit meinen Problemen klarzukommen ist eines wichtig. Ich muss mir meiner Rollen bewusst werden, die mein Verhalten bestimmen, mich zum Handeln motivieren. Denn nur, wenn ich mir immer dieser Rollen bewusst bin, kann ich im Kopf auch dagegen steuern und mich so langsam von diesen Rollen lösen und einfach nur ich sein.

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Der Verantwortungsvolle

Schon seit kleinster Kindheit hat mich meine Mutter zu verantwortungsvollem Umgang in besonderem Masse erzogen.

Klar ist normal für den ältesten von drei Geschwistern und dazu einzigen Jungen, dass er immer gesagt bekommt, er solle auf seine Schwestern aufpassen, ihnen immer hier und immer da helfen. Aber auf welche Art auch immer - meine Mutter hat uns zu äußerst verantwortungsvollen Menschen erzogen. So ist unsere Familie schon immer ein äußerst seltenes Beispiel dafür gewesen, wie friedvoll Geschwister miteinander sein können. Normal war eigentlich etwas anderes.

Dieser Hang dazu Verantwortung für andere zu übernehmen und ihnen helfen zu wollen wurde aber erst dadurch tief in mir verwurzelt, dass ich meine Mutter habe leiden sehen und gleichzeitig auch meine Schwestern. Ich wollte allen dreien helfen und habe mich um sie gekümmert. Ich wusste, ich musste stark sein und mich darum kümmern, dass sie es schaffen mit der Situation umzugehen.

Auch heute merke ich immer noch, wie schnell ich dazu tendiere anderen mit ihren Problemen zu helfen. Ich übernehme sozusagen die Verantwortung dafür, dass es ihnen bald beser geht. Um das zu erreichen beschäftige ich mich dann intensiv mit ihren Problemen. So habe ich es zum Beispiel auch bei allen meinen beiden Exfreundinnen gemacht.

Der kleine verantwortungsvolle Junge, wollte seiner Mutter helfen. Dafür hat er alles getan und beschlossen alles zu tun.

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Der ängstliche kleine Junge

Am meisten belastet mich der ängstliche kleine Junge in mir. In seiner frühen Jugend hatte er Probleme seine Identität zu finden. Er war verwirrt, er wollte aber auch nicht zu den Außenseitern gehören oder ein Freak sein. Er hatte das Gefühl, dass er das war. Dann wurde er wegen seiner etwas später einsetzenden körperlichen Entwicklung gehänselt, was ihn stark verletzt hat.

Am prägendsten war für ihn allerdings das Gefühl der Machtlosigkeit, Hilflosigkeit und Ungerechtigkeit. Er musste dabei zusehen, wie seine Mutter und seine Geschwister unter der Einsichtslosigkeit und Gefühlskälte seines Vaters leideten. Er war zutiefst betroffen von dem innerlichen Wunsch seiner Familie helfen zu können.

Er beschloss das Gegenteil von seinem Vater zu werden, damit er den Menschen in seiner Umgebung niemals das gleiche Leid zufügen würde. Gestärkt wurde er darin von seiner Mutter, die ihn immer dazu erzogen hat, genau das nicht zu tun, was sein Vater alles falsch machte. Der kleine Junge sollte eines Tages der perfekte Mann werden. So fasste der Junge das auf und auch die Mutter ermunterte ihn immer weiter dazu.

Der kleine Junge beschloss, dass es irgendwann Gerechtigkeit geben müsse. Er wollte, dass es in seinem Leben nie wieder zu solchen Ungerechtigkeiten kommt und deshalb wollte er der perfekte Mann werden. Ein Mann mit Super-Job, Traumkörper und der alles für seine Frau tut.

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Der Narzisst

Auf der Suche nach meiner Identität und dem Drang anders zu werden als sein Vater, kam der Junge in mir zu der Überzeugung, dass er alles für seine Frau tun würde, wenn er sie so leiden sieht. Er war der Überzeugung er könnte alles besser machen als sein Vater.

Gleichzeitig wollte er es allen Leuten zeigen, die ihm gegenüber ungerecht waren und die ihn herabgewertet hatten. Und so wuchs in ihm die Überzeugung, dass alles zu schaffen. Dieser perfekte Mann zu werden und das auch nach außen allen zu zeigen.

Es war auch ein Schutzmechanismus, dass sich der kleine Junge darüber definiert hat, besser zu sein als sein Vater. Er hatte zu dieser Zeit nichts anderes, worüber er sich definieren sollte.

Auch heute noch versucht der Junge in mir dieser perfekte Mann zu sein und er denkt auch heute noch, dass er dies sein kann. Dies hat aber zur Folge, dass er eine Riesenangst davor hat, zu Versagen. Also nicht perfekt zu sein.

Muskelspiele

Veröffentlicht in thoughts bei Mai 29, 2008 von lovestruckfool

Ich muss dem Jungen in mir immer wieder sagen: Es ist vorbei! Du musst keine Angst mehr haben, es ist vorbei!

Den Fehler, den ich mache ist, dass ich mich nur auf das Äußerliche fixiere, obwohl es darauf im Endeffekt gar nicht ankommt. Denn was würde passieren, wenn ich keine Muskeln mehr hätte oder nicht mehr ins Solarium gehen würde? - Ich würde trotzdem noch gut aussehen. Und weil ich nen toller Typ bin, tollen Charakter habe, lustig bin…das wären die Gründe, weshalb Frauen etwas von mir wollen und nicht weil ich muskulös bin. - 95 % der Männer sind nicht muskulös. Es ist also wirklich nicht notwendig. Sicher finden Frauen es besser, aber alle Frauen haben auch keine Supertitten und nene geilen Arsch.
- Ich muss also keine Angst davor haben, was passiert, wenn ich mal keine Muskelmasse mehr haben sollte. In den Kreisen, in denen ich mich bewege, hat sowieso niemand Muskeln.

Dieses Heischen nach Aufmerksamkeit, dieses wahrgenommen werden wollen, ist insofern normal, als man sich über irgendetwas definieren will. Es ist aber auch eine kindliche Sache, denn man muss seinen eigenen Wert für sich selbst erkennen und wissen, dass es auf solche Sachen nicht ankommt.

Die Frauen werden mich auch noch hübsch finden, wenn ich keine Muskeln mehr habe. Im Winter laufe ich auch mit weiten Pullovern rum und man sieht meine Muskelmasse nicht.Und auch da stehen Frauen auch auf mich. Darum geht es also wirklich nicht.

Außerdem muss ich mir klar machen, dass ich zwischen Angst und Fantasie unterscheiden muss. Wenn ich jetzt mal ein Jahr lang nicht mehr trainiere, werde ich nicht wieder aussehen, wie mit 16.

Ich werde die Proleme des ängstlichen kleinen Jungen über diesen Weg auch nicht lösen können. Ich werde nie an einen Punkt kommen, an dem ich mit meiner Muskelmasse zufrieden wäre oder die Angst des kleinen Jungen gestillt hätte

Be yourself and not someone else!

Veröffentlicht in thoughts bei April 30, 2008 von lovestruckfool

Ich sollte darauf achten, einfach nur ich selbst zu sein.

Ich bin den ganzen Tag über immer nur damit beschäftigt, wer ich sein möchte. Ich überlege mir, was ich anziehe, mit dem Hintergedanken, ob ich damit auch so wahrgenommen werde, wie ich gerne wahrgenommen werden möchte.

So habe ich den ganzen Tag den Stress, dass ich versuche von den einen so wahrgenommen zu werden und von den anderen so. Dabei ist das Schwachsinn und einfach nur permanenter Stress.

Ich sollte einfach nur ich selbst sein. Und nicht jemand, der ich gar nicht sein kann oder gerne wäre.

Die liebe Liebe

Veröffentlicht in thoughts bei April 30, 2008 von lovestruckfool

Wenn ich mir eine Freundin wünsche, dann der Vorstellung nach, dass diese Freundin meine potentielle Traumfrau ist und ich sie vielleicht heirate. Und seien wir mal ehrlich, woher soll man sowas schon vor Beginn einer Beziehung wissen. Sowas müsste sich sowieso erst entwickeln und wachsen. Aufgrund dieses selektiven Verhaltens habe ich viele mögliche Beziehungen gar nicht erst angefangen.

Wichtig ist, dass ich auch mal eine Beziehung anfange, selbst wenn ich weiß, dass es keine langfristige Beziehung werden kann. Ich sollte eine Beziehung nur anfangen, um Spaß zu haben!

Das Leben ist noch lange nicht vorbei

Veröffentlicht in thoughts bei April 30, 2008 von lovestruckfool

Ich unterliege der fehlerhaften Vorstellung, dass mein Leben mit dem Examen vorbei wäre und ich danach noch direkt anfangen müsste zu arbeiten.

Dem liegt der Irrglaube zugrunde, dass mein Leben nur auf die Rolle des perfekten Ehemanns zugeschnitten ist. Demnach müsste ich jetzt meine zukünftige Frau kennenlernen und das Examen machen, um direkt im Anschluss zu arbeiten, zu heiraten und Kinder zu bekommen. Natürlich hätte ich so keinen Spaß mehr in meinem Leben.

Aber ich muss mir klarmachen, dass mein Leben nach dem 1. Staatsexamen noch lange nicht vorbei ist. Nach dem 1. Staatsexamen habe ich unter Umständen noch mehrere Monate zeit bis zum Beginn des Referendariats, in denen ich zB ins Ausland gehen kann. Und auch nach dem 2. Staatsexamen kann ich im Ausland noch gehen, um zb noch ein Magister in ausländischem recht zu machen. Und auch danach bin ich noch jung und kann das Leben genießen.

Live life the fun way!

Der Narzisst

Veröffentlicht in thoughts bei April 17, 2008 von lovestruckfool

Ich bin ein Narzisst. So viel steht fest. Ein Narzisst ist nach allgemeiner Vorstellung jemand, der in sich selbst verliebt ist. Doch trifft das auf mich zu?

Ich bin nicht in mich selbst verliebt. Zumindest zeige ich das in meinem Verhalten nach außen hin nicht. Es gibt zwei Arten von Narzissten. Die nach außen gerichteten Narzissten belästigen ihre Umwelt, indem sie nach außen ständig ihre Selbstverliebtheit ausstrahlen und Äußerungen von sich geben, dass sie sich selbst für perfekt halten. Dann gibt es die nach innen gerichteten Narzissten, wie mich, die nach innen mit ihrem Selbstbild kämpfen und nach außen nicht ihre innere Überzeugung widerspiegeln.

Ich bin insofern Narzisst, als ich überzeugt bin, dass ich perfekt sein kann. Ich stellte mich in Gedanken so über andere, indem ich mich im Kopf mit ihnen vergleiche und immer zu dem Ergebnis komme, ich könnte besser sein.

Aber diese inner Überzeugung hat auch eine Kehrseite (die auch Narzissmus-typisch ist). Es ist die Angst vor dem Absturz. Denn ich, der nach außen hin als perfekt auftreten möchte, habe Angst davor, eben in den Augen anderer nicht perfekt zu sein, was für mich nämlich bedeuten würde, nichts wert zu sein. Ich definiere mich über die, in meinen Augen bestehende bzw. mögliche Perfektion. Diese im Endeffekt dann nicht zu erreichen, bedeutet für mich nichts wert zu sein. Denn in meinen Augen bin ich somit minderwertig.

Daraus entsteht dann natürlich die Situation, dass ich riesige Angst bekomme, etwas nicht perfekt zu machen und somit in meinen Augen und auch (aus meiner Sicht) in den Augen anderer zu versagen. Damit erklärt sich meine Angst meinen Seminarvortrag zu halten oder mich im Kurs/unterricht mal zu melden. Denn wenn ich etwas sage, dürfte es auf keinen Fall falsch sein. Denn dann würde ich meine nach außen hin aufgebaute Perfektion verlieren.

Ich denke, dass daher auch meine Vorstellung kommt, nur dann die Frau fürs Leben gefunden zu haben, wenn es eine absolute Traumfrau ist. Denn meiner Vorstellung nach müsste ich der absolute Traummann sein, deshalb wäre mir auch nur eine absolute Traumfrau angemessen. Solange ich die aber nicht als Freundin habe, ist das für mich irgendwie auch der Beweis, dass ich eben auch nicht der absolut perfekte Traummann bin. Mit dem Zweifel, die angestrebte Perfektion nicht erreichen zu können, was mich wertlos machen würde, verzweifel ich auch gleichzeitig an dem Wunsch eines Tages eine absolute Traumfrau als Freundin zu haben. Denn im Endeffekt werde ich es niemals schaffen, die Vorgaben zu erreichen, die ich an mich selbst stelle. Aber das einzusehen fällt mir schwer und so passiert es doch oft, dass ich glaube, dass doch schaffen zu können. In diesen Momenten geht es mir immer richtig gut.

Das ist zum Beispiel auch der Grund, warum ich mich oft so gerne schick anziehe. Denn wenn ich dann auf die Straße gehe, präsentiere ich nach außen das Bild des perfekten Typens, der megaerfolgreich, sexy, klug und überhaupt der tollste Typ der Welt ist. Und dementsprechend trete ich dann auch nach außen auf. Also nicht selbstherrlich oder arrogant. Das vielleicht nur im Inneren. Sondern ich strahle ein absolut selbstüberzeugtes sicheres Auftreten und Selbstbewußtsein aus, was natürlich im krassen Gegensatz zu meinem wahren inneren Gemütszustand steht. Denn in meinem Inneren kämpfe ich immer damit, mir einzugestehen, dass ich eben wie niemand anderes auch, eben nicht die hohen Anforderungen erfüllen kann, von denen ich whanhaft überzeugt bin, sie doch erfüllen zu können.

Es ist einfach wichtig, dass ich so eine Art Über-Ich schaffe und mit meiner narzisstiscen Seite in Kontakt trete, um mir immer wieder darüber klar zu werden, weshalb ich wie handel und mich fühle.

Ich bin ein kompensatorischer Narzisst, der mit grandiosem Selbst erscheint, dem aber Selbstzweifel, Minderwertigkeits- und Schamgefühle zugrunde liegen.

Die Gründe für diesen Narzissmus liegen wie alle meine Probleme und Persönlichkeitsstrukturen der Ehekrise meiner Eltern zugrunde und der Selbsterhöhung, die ich im Kopf gegenüber meinem Vater betrieben habe.

Späte Einsichten..

Veröffentlicht in thoughts bei März 31, 2008 von lovestruckfool

Ich empfinde mich nur dann als gut genug für eine Frau, wenn ich mich selbst als gut genug empfinde. Und aufgrund meiner hohen, einem Perfektionismus entwachsenden, Ansprüche an mich selbst, tritt dieser Fall nie ein.

Außerdem würde für mich die Ablehnung durch eine Frau ein Zeichen dafür sein, dass ich eben nicht der perfekte Partner wäre und somit wäre mein Lebensziel, die Berechtigung meines Seins in Frage gestellt. Ich würde mich selbst als wertlos wahrnehmen.

the ex…

Veröffentlicht in daily bei März 19, 2008 von lovestruckfool

Ich wusste nicht womit ich rechnen sollte. Wie kam es, dass sie sich plötzlich wieder gemeldet hatte. Vorsichtshalber hatte ich das Bett frisch bezogen, das Zimmer aufgeräumt, mir lange überlegt was ich anziehe und dann extra noch ein Hemd gebügelt. Und das obwohl ich eigentlich höchstens alle 3 Monate mal bügel.

Ich habe meine Ex-Freundin wieder getroffen. Eineinhalb Jahr ist es jetzt her, dass ich mich von ihr getrennt habe. Das ist in etwa so lange, wie wir auch zusammen waren. Und eigentlich sagt man ja, dass man genauso lange dauert, über eine Beziehung komplett hinwegzukommen, wie sie gedauert hat. Doch leider bin ich noch nicht darüber hinweg.

So saß ich ihr dann gegenüber in einem Restaurant. Und ich hätte anfangen können zu weinen. Denn vor mir saß diese wirklich schöne Frau, deren Schönheit mir gar nicht mehr bewusst gewesen war, da sie zu den Personen gehört, die auf Fotos viel schlechter aussehen, als im wahren Leben. Und ich hatte sie seit einem Jahr nur noch auf Bildern gesehen.

In mir kam die Angst hoch, nie wieder eine so hübsche Freundin zu finden. Vielleicht sogar nie wieder eine Freundin zu finden.

Je länger ich keine Freundin mehr habe, umso mehr schrumpft mein Selbstwertgefühl und umso mehr wächst die Angst vor Ablehnung durch eine Frau, die ich kennenlerne. Denn das würde ich auch als Bestätigung für meine Wertlosigkeit sehen, selbst wenn ich zB einfach nur nicht vom Aussehen her ihr “Typ” wäre. Da ich mir vorstelle, ich könnte eben der “perfekte” Partner sein, muss ich aus dieser Vorstellung heraus auch jeder Frau das bieten können, was sie sucht. Eine Ablehnung bedeutet dann immer, dass ich nicht perfekt bin. Das zerstört dann mein komplettes Selbstbild, auf dem alleine ich mein Selbstwertgefühl aufgebaut habe.

Als ich wusste, dass ich sie treffen würde, kam in mir die Hoffnung hoch, dass wir vielleicht wieder zusammen kommen. Das dieses Treffen vielleicht ein Neubeginn sein könnte.

Tief in meinem Inneren habe ich gewusst, dass die Gründe aus denen ich mich damals schließlich von ihr getrennt habe, immer noch bestehen. Und in meinem tiefen Inneren weiß ich auch, dass die Trennung richtig war und das eine nochmalige Beziehung zwischen uns nicht funktionieren würde. Sie ist in einer ganz anderen Lebensphase als ich. Ihr Verlangen nach Sex wird sich sicher auch kaum vergrößert haben. Und sie ist immer noch die egozentrische Person, die sie damals war, da bin ich mir nach diesem Treffen sicher. Sie hat mir auch nie die Wertschätzung entgegen gebracht, die ich verdient habe. Und das sage ich nicht, weil ich überzeugt bin, dass ich sie sicher verdient hätte. Das sage ich, weil ich weiß, wieviel ich ihr in dieser Beziehung gegeben habe und rückblickend habe ich den Eindruck, dass ich dafür so gut wie nichts von ihr zurückbekommen habe. Aber warum ich diese Selbstaufopferung mitgemacht habe, weiß ich ja.

Trotz allem lebte in mir die, ich nenne sie mal infantile, Hoffnung nach einer Situation, in der ich glücklich mit ihr zusammen bin.

Ich war derjenige, der sich von ihr getrennt hat und doch habe ich das Gefühl in meiner Rolle als perfekter Partner versagt zu haben und somit als Person komplett wertlos zu sein. Würden wir doch wieder glückllich zusammen kommen, würde dieses Versagen wieder relativiert werden, ich hätte nicht versagt. Aber es ist eben doch nur eine wirklich dümmliche Hoffnung.

Nichstdestotrotz kam sie in mir hoch, als ich ihr gegenüber saß, neben ihr her durch die Stadt lief, ihr Parfüm roch, als sie an mir vorbeiging und wir zusammen in meinem Zimmer saßen und stundenlang hätten noch weiter reden können.

Sie mir auch gezeigt, wonach ich mich so sehr sehne; wie gerne ich eine Freundin hätte.

Sie hat mir gezeigt, wie gut es ihr geht. Und damit aber auch, wie beschissen es mir geht.

(Ob es ihr wirklich so super geht weiß ich deshalb nicht. Während unserer Beziehung habe ich schon gelernt, dass sie eine Meisterin in Selbsttäuschung ist. Aber man kann es ja auch positiv bewerten, wenn jemand immer versucht nur das positive zu sehen.)

Als einziger Wermutstropfen dieses Treffens bleibt übrigt, dass sie mir nochmal gesagt hat, dass es schon richtig war, dass ich mich von ihr getrennt habe. So sagt sie heute, dass die Beziehung rückblickend von ihr aus sicher auch nicht mehr lange gedauert hätte.

Aber auch das hilft mir heute nichts. Ich habe immer noch das Gefühl, versagt zu haben.